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Archiv für die Kategorie ‘storytelling’

Beobachtbarkeit

12. April 2011

Höhlen, Kavernen, Verstecke undsoweiter. Alles, wo keiner hinkommt. Das Unentdeckte in den Tiefen des eigenen Körpers. Der schmale Briefkastenschlitz des schrägen Nachbarn. Das Kanzlerinnenbüro aus dem Blickwinkel eines tulpigen Staubgefäßes. Hinterlassenschaften. Undsoweiter.

Miniaturisierung macht mächtig. Das wäre die eine Seite des Spiels. Die andere: Beobachtbarkeit auszuhalten, weiterzutreiben, dafür eine Sprache, ein Sensorium zu entwickeln, das Beobachten und das Beobachtetwerden verschränkt – undsoweiter.

In das Spiel kommt neue Dynamik. Die Minikamera wird angeknipst, in die Dickdarmzotten (oder den Briefkasten) geschickt und gut is. Joseph Brodsky verglich einen Exilautor mit einem Buch, das in der Bibliothek am falschen Ort abgelegt wird, nicht mehr wiederzufinden, es sei denn durch glückliche Zufälle, stöbernde Leser, Bibliothekare, die ihre Leselust nicht im Zettelkasten des analogen Katalogs erfüllt sehen, die selber in die Handbibliothek hinauf, in das Magazin der ausgelagerten Kriegsbestände hinein oder in die Bunker hinunter wollen. Mehr…

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Abwehrzauber, aggiornamento, Allgemein, storytelling

We Do Big Things

26. Januar 2011

Und hier folgt das Wordle-Bild des Transkripts:

Das Format der Rede zur Lage der Nation ist ehrwürdig. Der Redner bedient eine Konvention. Man kann der Konvention konventionell entsprechen. Das ist die Regel. Oder man kann sie überlisten, indem man die Konvention neu definiert. In dem politischen System geteilter Macht, im System der checks & balances, hat Barack Obama gestern Abend vorgeführt, wie man der Konvention entspricht und sie zugleich überbietet.

Er hat Herbert Achternbuschs Atlantikschwimmer-Zitat als unausgesprochenes Leitmotiv genutzt: Du hast keine Chance, aber nutze sie. Bill Clintons Arbeitsminister Robert Reich rieb ihm heute unter die Nase, er habe den dicken Elephanten vor seiner Nase übersehen. Was für ein Irrtum. Obama hat den republikanischen Elephanten am Rüsselring durch die Manege geführt. Er hat ihn dazu animiert, sich zu einer Musik, die ihm in die großen Ohren gellt, auf die Hinterbeine zu stellen. Er hat ihn bezwungen, mit den Vorderbeinen zu applaudieren. Standing ovations, wie es die Konvention gebietet. Mehr…

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Allgemein, Politische Rhetorik, storytelling

A Big Fucking Deal

22. Dezember 2010

 

Sixty-six years ago, in the dense, snow-covered forests of Western Europe, Allied Forces were beating back a massive assault in what would become known as the Battle of the Bulge.  And in the final days of fighting, a regiment in the 80th Division of Patton’s Third Army came under fire.  The men were traveling along a narrow trail.  They were exposed and they were vulnerable.  Hundreds of soldiers were cut down by the enemy. 

And during the firefight, a private named Lloyd Corwin tumbled 40 feet down the deep side of a ravine.  And dazed and trapped, he was as good as dead.  But one soldier, a friend, turned back.  And with shells landing around him, amid smoke and chaos and the screams of wounded men, this soldier, this friend, scaled down the icy slope, risking his own life to bring Private Corwin to safer ground. 

For the rest of his years, Lloyd credited this soldier, this friend, named Andy Lee, with saving his life, knowing he would never have made it out alone.  It was a full four decades after the war, when the two friends reunited in their golden years, that Lloyd learned that the man who saved his life, his friend Andy, was gay.  He had no idea.  And he didn’t much care.  Lloyd knew what mattered.  He knew what had kept him alive; what made it possible for him to come home and start a family and live the rest of his life.  It was his friend. 

And Lloyd’s son is with us today.  And he knew that valor and sacrifice are no more limited by sexual orientation than they are by race or by gender or by religion or by creed; that what made it possible for him to survive the battlefields of Europe is the reason that we are here today.

Die Geschichte des Gesetzes ist eine Geschichte der Heuchelei. Gegen die Heuchelei ist eine Bürgerrechtsbewegung entstanden. Heute hat Barack Obama das Gesetz unterzeichnet, das Schluss mit der Heuchelei macht. "Don´t Ask Don´t Tell" – der Titel des Heuchelei-Gesetzes macht anschaulich, was da los war. Auf Rheinisch hieß das Gesetz: Fraach nichts, saach nichts! Mehr…

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aggiornamento, Allgemein, storytelling , , ,

Politische Glaubwürdigkeit ist eine politische Kategorie

22. Juni 2010

Dieser Essay von Frank Schirrmacher ist erstaunlich. Nach wiederholtem Lesen frage ich mich, ob es zu den Privilegien eines FAZ-Herausgebers gehört, seine Texte für das Blatt nicht gegenlesen zu lassen.

"Joachim Gauck oder Christian Wulff – wen will das Wahlvolk wirklich? Politische Glaubwürdigkeit im neuen Medienzeitalter ist keine moralische, sondern eine literarische Kategorie. Nach diesem Kriterium scheidet Wulff als Held aus. Können wir das wollen?"

Der Einstieg wagt eine steile These, verbaut ihr aber ohne Not den Weg an das Licht. Mehr…

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Allgemein, Politische Rhetorik, storytelling , ,

Ethik des Erzählens

13. April 2010

Für diese Reportage erhielt Gene Weingarten vom Magazin der Washington Post am Montag den Pulitzer Preis.

Marathonläufer trainieren über Monate und Jahre ihre Ausdauer. Ein guter Reporter hat einen fünften Sinn für Einzelheiten, für Unerklärliches, und eine Ausdauer, die ihn über weite Strecken durchhalten lässt, einen unermüdlichen Antrieb, die ganze Geschichte in den Blick zu bekommen, nicht weil das letzte fehlende Detail etwas schließlich erklären könnte, sondern weil es das Drama, so unverständlich es bleibt, näher bringt.

Darin steckt eine Ethik des Erzählens, die bewegt.

 

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Allgemein, storytelling ,