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Archiv für die Kategorie ‘Politikmanagement’

Zur politischen Kultur des Neobiedermeiers

14. Februar 2014

 

Der Begriff der politischen Kultur erlebt in diesen Tagen auf erstaunlichen Umwegen Wiederauferstehung. Almonds und Verbas Studie aus den 50er Jahren traf – um es für die Zwecke dieses Beitrags zusammenzufassen – die Unterscheidung zwischen parochialer Kultur, Untertanenkultur und partizipierender Kultur. Maßgebliche Variabeln für die Unterschiede sind Aufbau und Struktur des Systems, Inputmöglichkeiten, Outputfähigkeiten und Selbstwahrnehmung. Mehr…

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Der Merkel-Algorithmus?

6. Juni 2011

Eine interessante Idee von Daniel W. Drezner, um die irgendwie erratisch wirkende Politik der Bundeskanzlerin zu beschreiben:

- Ein Problem schwelt vor sich hin.

- Zaudere und tu nichts.

- Die Umfragewerte gehen über in den Sinkflug.

- Lass das Problem weiter schwelen.

- Verlier eine regionale Wahl.

- Vollzieh einen diametralen Politikwechsel.

- Verlier weiter an politischer Unterstützung.

Diese sieben Schritte befolgt Frau Merkel sowohl bei der Euro-Politik als auch beim nuklearen Ausstiegsausstiegsausstieg. Mehr…

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Geißlers Grimme-Preis

28. November 2010

Wie der Schlichterspruch Heiner Geißlers am Dienstag ausfallen mag, ist die eine Sache. Was der Schlichter zustande gebracht hat, eine andere. Der Drachenflieger, Kletterer und Alterswilde hat etwas vorgemacht, was ich kaum mehr für möglich gehalten habe: eine Dekonstruktion des leeren Redens in Echtzeit.

Es ist egal, welche Partei, welcher Redner, welche Auffassung dekonstruiert wurde. Der Jesuit mit den großen Ohren hat das öffentliche leere Reden insgesamt viviseziert. So gerät etwas in den Blick, was in einer Kultur der Legitimation durch Verfahren lange Zeit ausgeblendet schien. Verfahren können sich verfahren. Diese Aussage ist umso wahrscheinlicher, je nebliger, je fadenscheiniger, je geheimniskrämerischer viele öffentliche Auftraggeber, Planer und ihre Hintersassen arbeiten.

Diese Aussage macht aber auch Hoffnung, dass die Bürger sich darin bestärkt sehen, Fragen zu stellen und nachzufragen. Das Schlichtungsverfahren hat die Lotuseffektsprache demontiert. Die Lotuseffektsprache schien dazu bestimmt, Kritik abperlen zu lassen. Nun kleben Pechsträhnen an den Auftraggebern. Sie können daraus Lehren ziehen. Klar formulierte Gutachten, Aufträge und Ausschreibungen helfen, bürokratischen Aufwand zu mindern.

Stuttgart liegt in einem Talkessel. Oft hängt über dem Kessel der Nebel. Heiner Geißler hat durch das von ihm gesteuerte Verfahren eine lichte Höhe erreicht, die dem Gemeinwesen insgesamt gut tut. Das ist kein Schrei nach Charisma, nur eine bescheidene Präzision. Legitimation durch Verfahren kann nicht mit einem Autopiloten gelingen. Da müssen vernünftige Flieger und Gegenfunker aus Fleisch und Blut im Apparat stecken, die auch in der dünnen Luft hoher Entscheidungsräume den klaren Blick auf konkurrierende Ziele bewahren.

Die Dokumentation der Schlichtungssitzungen hat einen diamantenen Grimme-Preis verdient.

 

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Taube Ohren?

17. September 2010

Der Rhetorik-Blogger wurde durch Unwetter und Kabelklau (die üblichen Verdächtigen) vom Bloggen abgehalten. Nun hole ich mit Bitte um Verständnis nach, was gut abgehangen trotzdem für diesen Blog eine wichtige Frage bleibt:

Stoßen politische Reden tatsächlich bloß auf taube Ohren? Der amerikanische Politik-Professor George Edwards behauptet das in seinem Buch On Deaf Ears: The Limits of the Bully Pulpit.

Ezra Klein, dem ich diesen Hinweis verdanke, kam darauf am Rande des diesjährigen Kongresses der amerikanischen Politikwissenschaftler. Wie so oft wurde den Damen und Herren aus dem Elfenbeinturm von manchen höhnischen Stimmen bescheinigt, Relevanz verloren zu haben. Da mag etwas dran sein, vielleicht trifft die Kritik auch George Edwards.

Mich berührt die Frage. Denn wenn Edwards´These zutrifft, dann könnte es ja sein, dass ich dem Predigen für die Tauben 470 Beiträge für die Blinden folgen ließ. Mehr…

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Oster-Interview

31. März 2010