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Archiv für die Kategorie ‘Arabische Welt’

You Are Not Machines! You Are Not Kettle!

23. März 2011

Ungeheuerlich

6. März 2011

Fefe informiert ausführlich, was seit dem Sturm auf die ägyptische Staatssicherheit so alles zu Tage gefördert wurde

Er gibt eine gute Anregung an die selbst ernannte Freiheitsstatue im Auswärtigen Amt: Zum Aufbau der Demokratie möge die Bundesregierung den Ägyptern die gesammelte Kompetenz (Hardware, Software, Trainer) der Gauck-Behörde verfügbar machen.

Da fasse ich gerne nach. In Seehofers Worten: Das nehme ich in meine Wiedervorlage. Unter dem Stichwort Verifikations-Rhetorik.

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Tips für die Konterrevolution

18. Februar 2011

Im Blog A Fistful of Euros lese ich heute Morgen Tips für die erfolgreiche Konterrevolution:

Vergiss die Märtyrer. Schlag zu. Schnell. Früh. Hart.

Verweigere Deinen Gegnern den Versammlungsort. Kein Tiananmen. Kein Tahrir.

Bring früh Deinen Schläger-Mob in Stellung.

Entwende und drehe die Agenda der Aufständischen.

Spiel den sozial engagierten Diktator.

Use it or lose it.

Ratschläge aus dem Echtzeitlabor dieser Tage.

Abwehrzauber, Allgemein, Arabische Welt

Ein historischer Augenblick

12. Februar 2011

Wie so oft ist das ehemalige Nachrichtenmagazin ein Hort der Desinformation. Wer in diesen Tagen mehr als die Quellen liest, von denen manche Korrespondenten abschreiben, der kann den in der Tat historischen Augenblick anders einordnen.

Der Diktator tritt ab. Das Militär regiert weiter. Offenkundig ist es einem Kreis von Offizieren gelungen, die Mubarak-Getreuen zu neutralisieren. Ob die neuen Machthaber ihr Versprechen einlösen, den Weg zur Demokratie einzuschlagen, das ist nach wie vor ungewiss. Aus der Ferne erinnert der Augenblick weniger an den Fall der Berliner Mauer als an die portugiesische Nelkenrevolution. Die jüngeren Offiziere hinter dem Feldmarschall sind noch nicht in Erscheinung getreten. Aber sie gibt es. Mehr…

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Gespenstisch

10. Februar 2011

Dieser Auftritt von Hosni Mubarak ist historisch. Eine Aphasie. Eine Lachnummer. Das Grauen. Ein Filmriss in slow motion. Der Abgang eines Diktators in erhabene Lächerlichkeit. All das Geschrei, zuletzt des saudiarabischen Königs (der angeblich selbst totkrank ist), dass Mubarak ein Abtritt in Würde zu gönnen sei, hat Mubarak selbst durch diese Rede zunichte gemacht.

Hinzu kommt eine Beobachtung, die ich vor sieben Jahren leibhaftig machen konnte, eine arabische rhetorische Tradition, in welcher endloses erhabenes Geschwafel das Nichts, die Leere, das politische Vakuum der Regime umkreist wie die Gläubigen die Kaaba in Mekka. Mit einem Unterschied: die Kaaba besitzt eine unbezweifelbare physische Evidenz, das Vakuum der arabischen Regime aber ist eine mit Gewalt aufrecht erhaltene Fiktion.

Im ZDF hat die Regie etwas Geniales zustande gebracht: Die grauenvoll schlecht  – also authentisch – übersetzte Rede Mubaraks – und rechts daneben die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz, die ihre Schuhe schwenken: Die Botschaft ist unmissverständlich.

Der Bann ist damit zerstört. Die Ehre verloren. Die Scham der Beherrschten verwandelt sich in nackten Zorn. Die Lage wird jetzt in der Tat gefährlich.

PS:

Unfassbar, dass das sogenannte "Erste" eine unsägliche Quizzshow nicht einfach abbricht. Das "Erste" ist das Letzte! Ok, dann ist das Erste eben bloß das Zweite.

PPS: Die Rede ist eine kalt kalkulierte Provokation, um das Militär gegen die wütenden Demonstranten einzusetzen.

PPS:

Inzwischen wird berichtet, die Rede sei aufgezeichnet und später ausgestrahlt worden. Die Fernsehbilder insinuieren eine Gleichzeitigkeit, die es nicht gab. Auch der Redenschreiber scheint inzwischen bekannt zu sein: Mubaraks Sohn Gamal. Vergebliche Liebesmühe.

update 16022011

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