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Archiv für die Kategorie ‘Finanzkrise’

Ben Bernankes Unwucht

28. April 2011

 

Das war eine Premiere. Erstmals gab der Chef der amerikanischen Notenbank eine Pressekonferenz. Dem Wall Street Journal verdanke ich das Transkript seiner einleitenden Bemerkungen.

Hier sehen Sie die wordle-Wolke und erkennen auf Anhieb ein erstaunliches Detail, um nicht zu sagen eine gravierende Unwucht. Die Fed hat, anders als die Europäische Zentralbank mit der deutschen Inflationsobsession, gleichermaßen auf Inflation und Beschäftigung zu achten.

Tatsächlich rangieren Beschäftigung und Jobs ausweislich dieser Worthäufigkeitsverteilung (rechts oben) unter ferner liefen.

Die Beobachtung verdanke ich Frank Tantillo.

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Niemand hat die Absicht …

14. April 2011

…. die Schulden Griechenlands zu kürzen.

Die rhetorische Figur ist bekannt. Das Rezept einfach: Verstecke Unerfreuliches in einen Nebensatz. Sage das Gegenteil von dem, was Du weißt. Verkleide den Sachverhalt in eine Aussage über Wünsche, Ziele, Absichten. Lass die Geschichte so matter of factly geschehen, wie Geschichte geschieht. Abstrahiere von den Bauarbeitern und ihrem Marschbefehl.

Alles Weitere regelt ein Bundesgesetz.

Coda: Das Bankenwesen, das mal auf "Treu und Glauben" gegründet zu sein schien, scheint infolge der oben beschriebenen Unwucht sich aufs Glauben verlegen zu wollen. So kommt die Treu ins Trudeln.

edited 25042011

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Die Zeichen an der Wand

9. Februar 2011

Diese Abschiedsreportage des Athener Al Dschasirah-Korrespondenten hat es in sich, eine fein beobachtete subtile Zeichendeutung. Nichts für robuste Ökonomen. Diskrete Unterschiede scheinen diesen Berufsstand kaum mehr zu berühren. Was für ein Wahnsinn!

I´m sorry, we can´t understand you.

Das ist das Problem. Mohamed El-Erian gab vorgestern dem Spiegel ein Interview und bekräftigte, was schon vor einem Jahr die Spatzen von den Dächern pfiffen: So ein Sparprogramm, wie es die Griechen schultern wollen, hat es in der Praxis des IWF noch nicht gegeben. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es nicht klappt. Dass die Griechen nicht mitmachen. Dass das Desaster nur größer wird. Mehr…

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Gute Nachricht für Hexen

22. Januar 2011

Auf dem Umweg über Bukarest erhalten wir neueste Nachrichten für ehrliche Hexer und Hexen. Ihr erinnert Euch noch an die schrille Tea Party-Kandidatin im US-Bundesstaat Delaware? Christine O´Donnell hatte damals dieses Video in Verkehr gebracht: 

Über die Party am Abend ihrer Wahlniederlage schrieb ich im November:

“I´m you” – der Trick hat nicht funktioniert. Die Suggestion dahinter erzählt eine Geschichte des Grauens. Die Idee des Opfers und der Selbstopferung kommt nicht als schiefer (…) Wiedergänger auf die Bühne. Die Tarnkappe saß dieses Mal perfekt.

In Bukarest schreibt die rumänische Regierung Zivilisationsgeschichte. Sie dreht das Rad nicht zurück, sondern weiter. Hexen werden nicht verbrannt. Sie zahlen künftig Steuern. 16 Prozent. Ein Deal. Eine Anerkennung.

Um dieselbe Zeit, wo man in England aufhörte, Hexen zu verbrennen, fing man dort an, Banknotenfälscher zu hängen. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 783.

Landen zur Abwechslung jetzt die Banken auf dem Scheiterhaufen? I wo!

Aber vielleicht verhilft die rumänische Entscheidung zu neuen Einsichten in okkulte Äquivalenzen. Was ist Aberglaube? Der Kauf eines Wertpapiers, dessen Kurs zackig Achterbahn fährt? Oder der Kauf eines Amuletts gegen den bösen Blick?

Die Einkünfte aus Hexerei scheinen bis auf Weiteres verlässlicher.

Update: Jetzt wirds eng für die Hexen. Fehlerhafte Vorhersagen werden schadenersatzpflichtig!

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Niemand – alleingelassen

20. Dezember 2010

Retten kommt in Misskredit. Eine Einsicht, in der Ökonomen, Politiker und Rhetoriker auf frappierende Weise übereinstimmen. Warum? Offenbar hat das Wort, das ursprünglich "aus der Gefahr reißen" bedeutet, inzwischen unter dem Druck der Ökonomie eine Umwertung erfahren, die in Griechenland und in Irland als "in die Gefahr gestoßen werden" verstanden wird.

Den Auftakt gab Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer Regierungserklärung im Deutschen Bundestag. Ich fasse ihre Argumentation zusammen: 

Europa sei eine Verantwortungsgemeinschaft. Deutschland profitiere davon besonders. Einzelne Euro-Staaten stehen vor schwierigen Herausforderungen. Der Euro selbst aber habe sich als krisenfest erwiesen. Der EU-Gipfel werde einen Krisenmechanismus etablieren, der auch den Privatsektor und den Internationalen Währungsfonds an der Lösung künftiger Krisen beteilige. Die dazu nötige Vertragsänderung werde das Beistandsverbot nicht antasten. Damit werden keine Hoheitsrechte an die EU übertragen. Der Mechanismus werde ausgelöst durch eine Gefährdung der Finanzstabilität der gesamten Euro-Zone. Die Feststellung erfolge durch einstimmige Beschlüsse. Die Änderung des Vertrags erfolge im vereinfachten Verfahren (ohne Referenden) und solle bis Ende 2012 abgeschlossen sein.

Ihr persönliches Bekenntnis zu Europa beschließt Frau Merkel mit der Formel:

Niemand in Europa wird alleingelassen, niemand in Europa wird fallen gelassen, Europa gelingt gemeinsam. Ich füge hinzu, Europa gelingt nur gemeinsam.

Am nächsten Tag greift Zeit-Herausgeber Helmut Schmidt ein, kritisiert vehement die deutsche Europapolitik dieses Jahres.

Wer in dieser Lage lediglich taktiert und finassiert, wer gar jedwedes Auseinanderfallen des Euro-Verbundes öffentlich diskutiert, dem fehlt jede Weitsicht. (…) Wir Europäer können die früheren Fehler nicht ungeschehen machen, wohl aber müssen wir alsbald ziemlich  unkonventionelle Reparaturen ins Werk setzen. (…) Selbstverständlich werden die notwendigen Reparaturen abermals (…) insbesondere uns Deutsche abermals viel Geld kosten. (…) Es ist nicht visionärer Idealismus, sondern unser eigenes strategisches Interesse an der Aufrechterhaltung der Europäischen Union und damit der europäischen Zivilisation, das uns  bewegen muss, auf kleine nationalegoistische Vorteile zu verzichten. Auf lange Sicht trägt Deutschland einen hohen Anteil an der Verantwortung dafür, dass die europäischen Staaten zu einem ökonomisch handlungsfähigen Verband zusammenwachsen. Dazu ist allerdings weder ein deutscher Oberkommandierender noch ein deutscher Schulmeister nötig, denn er würde die anderen Kapitäne nur befremden und abschrecken. Wohl aber müssen die deutschen Politiker den Bürgern erklären, dass wir und warum wir Deutschen Opfer zu bringen haben. Mehr…

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