Dein Buick ist sicher …
Der Obama-sound hat gestern eine neue Nuance hörbar gemacht. Ohne Schnörkel, ohne Umwege kommt der Präsident bei seinen Anmerkungen zur Situation der amerikanischen Autoindustrie hart zur Sache. Er führt bei der Gelegenheit vor, wie sein Multitasking funktioniert. Das Medienlamento über die langsame Besetzung wichtiger politischer Posten hat die Spezialisten in der zweiten Reihe nicht von ihrer Arbeit abgehalten. Schon während der Transition haben sie damit begonnen: Energie, Gesundheit, Bildung, Infrastruktur, Budget, Finanzsektor, Guantanamo, Irak, Afghanistan, nun die Autoindustrie.
Der Präsident präsentiert die Ergebnisse. Manchmal justiert er nach. Eine Schlagzeile wie "Holzmann rettet Schröder" hat er (noch) nicht nötig. Er fordert GM und Chrysler, stellt sie vor ein Ultimatum: Entweder ihr bessert nach oder ihr geht bankrott!
Aber bevor er dazu kommt, weht wieder der Atem der Geschichte. Die amerikanische Autoindustrie, einst Quelle für harte Arbeit, Stolz des Landes, Emblem des amerikanischen Traums, des wohlhabenden Mittelstands, nun beklagt sie über 400.000 verlorene Arbeitsplätze allein im letzten Jahr. Der wirtschaftliche Niedergang in Michigan und im Great Midwest, das alles darf nicht als Vorwand für armselige Pläne dienen, weitere Steuermilliarden zu versenken. Das ist – wie ein Selbstgespräch von Pete Seeger oder Johnny Cash, bevor sie anfangen zu singen und ihr Instrument (oder das Publikum) stimmen - der Vorspann für den Obama-sound. So einen sound hat es übrigens auch in der deutschen Politik gegeben (gibt es immer noch).
So I’d like to speak directly to all those men and women who work in the auto industry or live in countless communities that depend on it. Many of you have been going through tough times for longer than you care to remember. And I won’t pretend that the tough times are over. I can’t promise you there isn’t more difficulty to come. But what I can promise you is this: I will fight for you. You’re the reason I’m here today. I got my start fighting for working families in the shadows of a shuttered steel plant. I wake up every single day asking myself what can I do to give you and working people all across this country a fair shot at the American Dream. When a community is struck by a natural disaster, the nation responds to put it back on its feet. While the storm that has hit our auto towns is not a tornado or a hurricane, the damage is clear, and we must likewise respond."
Das ist der O-Ton des community organizer in chief. "You’re the reason I’m here today. I got my start fighting for working families in the shadows of a shuttered steel plant." In diesem Ton erklingt der Vertrauensvorschuss, den auch der economist diesem Politiker zuspricht. In diesem Ton bekräftigt und erneuert Obama das in ihn gesetzte Vertrauen – auch wenn er keine rosigen Zeiten verspricht, sondern harte Entscheidungen ankündigt. Er setzt seine eigene Biographie ein, ihren irreduziblen Kern, den niemand in Zweifel ziehen kann.
In diesem Ton kann Franz Müntefering davon erzählen, was es heißt, wenn eine Kommune entindustrialisiert wird. In dem Ton könnte Angela Merkel von ihren subottniks beim Aufbau der Leipziger Moritzbastei erzählen. In dem sound könnte auch Frank-Walter Steinmeier röhren. Allerdings klingt der Steinmeiersound wirklich wie Gerhard Schröder und das hat weniger mit dem Lipper Land zu tun, als dem Bann, unter dem er steht. Wenn Steinmeier aus dem Schatten seines früheren Chefs heraustritt, redet auch er wie eine aufgeräumte Aktennotiz. Er ist der Kanzlerin ähnlicher, als beiden lieb sein kann. Bei me too gewinnt das Original …
Auch wenn GM und Chrysler bankrott gehen…: "Your warranty will be safe. In fact, it will be safer than it’s ever been, because starting today, the United States government will stand behind your warranty." OK. Das sagt nicht Norbert Blüm, sondern Barack Obama. Ob das tröstlicher ist, warten wir ab.
Allgemein, Politikmanagement, Politische Rhetorik, storytelling


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