DAF
Gerade ist die Pressekonferenz von Angela Merkel und Barack Obama zu Ende gegangen. Sie war im Vergleich zu den bisherigen Begegnungen freundlicher.
Nancy Pelosi hat die Bundeskanzlerin zu einer Rede zum Thema Klimaschutz vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses eingeladen. Das gibt Gelegenheit für einen Vergleich. Die PK war doppelt so lang wie ursprünglich vorgesehen. Darunter hat die Bekanntgabe einer Personalie gelitten. Denn um 11:45h Ortszeit hätte der Berater des Weißen Hauses zum Thema Gewalt gegen Frauen vorgestellt werden sollen.
Obama erwähnt in seinen einleitenden Bemerkungen, was er auf dem Hubschrauberflug nach Buchenwald gesehen hat: die vielen Windturbinen. Darauf hatte gestern schon Pressesprecher Robert Gibbs hingewiesen. Hinter dem Kompliment wittern wir den Wettbewerber. Wer je die Weite der amerikanischen Prärien gesehen hat, den tobenden Wind, der sogar Literaturgeschichte geschrieben hat, der weiß, was für ein enormes Wachstumspotenzial den deutschen Windmühlenbauern blüht, wenn sie denn da einen Marktzutritt erhalten. Schon sind die Amerikaner dabei, durch die Investitionen des Konjunkturpakets mächtig aufzuholen. Im Westen viel Neues.
Obama und Merkel äußern sich sehr klar und bestimmt zu dem Kurs des Ahmadinedschad-Regimes. Unstrittig, dass es die Menschenrechte und den Volkswillen zu respektieren hat. Frau Merkel betont aus eigenen DDR-Erfahrung, wie wichtig es sei, dass man den Menschenrechtsverletzungen im einzelnen auch nachgehe.
Sie ist in ihren einleitenden Bemerkungen etwas strenger, legt die Latte für die G8- und G20-Verhandlungen zur Regulierung der Finanzmärkte höher. Der sie von der Seite anschauende Präsident wirkt etwas irritiert. Das liegt aber eher an der holpernden Übersetzung.
Merkel würdigt den innenpolitschen Fortschritt in der amerikanischen Klimaschutzpolitik als Meilenstein auf dem Weg zu einem neuen Klimaschutzprotokoll in Kopenhagen.
Peter Frey (ZDF) darf als erster deutscher Journalist seine Frage stellen. Ihn interessiert, was zum Thema Guantánamo besprochen worden ist. Die Aussagen bleiben vage. Voraussetzungen seien geklärt, aber noch keine Verpflichtungen eingegangen. Frau Merkel unterläuft ein kleiner symbolischer lapsus linguae, als sie von den Guantánamo-Flüchtlingen spricht. Wenn es die denn gäbe!
Die nächste Frage zielt auf die Bewertung der aktuellen Entwicklung im Irak. Auch hier zeigt Obama (ohne Teleprompter heute), wie souverän er bei komplexen Themen auf Details etwa der irakischen Innenpolitik eingehen kann. Die Lage werde sich verbessern, wenn die innenpolitischen Verhandlungen zwischen Sunniten, Schiiten und Kurden voran kommen.
Zum Schluss beschwert sich ein deutscher Journalist darüber, dass Obama bisher keinem deutschen Journalisten ein Interview gegeben habe – und fragt danach, ob Obamas Deutschlandbild von seiner Halbschwester Auma geprägt sei.
Obama zieht sich elegant aus der Affaire, macht Merkel ein paar sehr freundliche Komplimente, sie sei eine kluge, pragmatische und zuverlässige Partnerin, wie man sie sich nur wünschen könne.
Zum Abschluss erinnert Merkel an Obamas Autobiographie Dreams From My Father und die Passagen, in welchen er von den Deutschlanderfahrungen seiner Halbschwester Auma erzählt, welche Schlüsse sie daraus auch für die Beziehungen zwischen Deutschland und den afrikanischen Ländern zieht.
Sie ist gut gebrieft nach Washington gefahren. Der persönliche Klimawandel zwischen Merkel und Obama hat Fortschritte gemacht.


Letzte Kommentare