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Archiv für August, 2009

Carry on

30. August 2009

Die Grabrede Barack Obamas auf Senator Edward M. Kennedy ist klassisch – in Aufbau, im Rhythmus, in ihrer Anteilnahme, der Gelegenheit zu befreiendem Lachen, und auch darin, dass Obama die Spekulationen entkräftet, er werde die Gelegenheit zu politischen Zwecken missbrauchen.

Der erste Satz trifft den Ton der Trauer, als wäre er in Stein gehauen: "Today we say goodbye to the youngest child of Rose and Joseph Kennedy."  Lange werde die Welt sich an ihren Sohn erinnern, die Bürde seines Erbes, den Kämpfer für die Armen, die Seele der Demokratischen Partei, den Löwen des Senats der Vereinigten Staaten von Amerika, den Gesetzgeber, der mit eigener Hand über dreihundert Gesetze geschrieben hat.

Aus dem Benjamin der Familie wurde ihr Patriarch. Schicksalsschläge haben ihn nicht in einen Hiob verwandelt.

Schauen Sie Obamas Rede an.

Ted Kennedy has gone home now, guided by his faith and by the light of those that he has loved and lost.  At last he is with them once more, leaving those of us who grieve his passing with the memories he gave, the good that he did, the dream he kept alive, and a single, enduring image — the image of a man on a boat, white mane tousled, smiling broadly as he sails into the wind, ready for whatever storms may come, carrying on toward some new and wondrous place just beyond the horizon.  May God bless Ted Kennedy, and may he rest in eternal peace."

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Muster

28. August 2009

You never want a serious crisis to go to waste. Das ist das Politikmanagement-Prinzip von Rahm Emanuel, Obamas Stabschef im Weißen Haus.

An diesem Samstag wird Barack Obama die Grabrede auf Senator Edward Kennedy halten. Achten wir darauf, wie er den Anlass zur Trauer in ein Vermächtnis zugunsten seiner Politik verwandelt.

Allgemein, Politische Rhetorik , ,

Was der Senator erzählt

26. August 2009

"An old man walking along a beach at dawn saw a young man pick up a starfish and throwing them out to sea. "Why are you doing that?" the old man inquired. The young man explained that the starfish had been stranded on the beach by a receding tide, and would soon die in the daytime sun. "But the beach goes on for miles," the old man said. "And there are so many. How can your effort make any difference?" The young man looked at the starfish in his hand, and without hesitating, threw it to safety in the sea. He looked up at the old man, smiled, and said: "It will make a difference to that one."

Requiescas in pace, Ted Kennedy!

Allgemein

Boulevard der Dämmerung

25. August 2009

Nun hat auch Nikolaus Brender dekorativ in der ZDF-heute-Kulisse über den respektlosesten und langweiligsten Wahlkampf seit Bestehen der Bundesrepublik geklagt

Herr Brender ist mit daran Schuld, worüber er klagt. Die Sommerinterviews der Spitzenpolitiker (bei ARD wie im ZDF) sind ein beschämendes Zeugnis dafür, dass sich Politik und öffentlich-rechtlicher Journalismus einig darin sind, keine politischen Sachfragen zu erörtern. Sie spielen unter gleißender Mittagssonne den Berliner Boulevard der Dämmerung.

Warum fragt denn keiner Frau Merkel oder Herrn Steinmeier oder Herrn Westerwelle danach, wie sie die Schulden bremsen (geschweige denn tilgen) wollen? Wenn die Protagonisten von schwarzgelb über Steuersenkungen delirieren, wäre es dann nicht naheliegend, sie danach zu fragen, wie sie das finanzieren wollen – und wenn dann die gestanzten Antworten folgen, worauf sich denn ihr Wachstumsoptimismus stützt? Ist es ein ehrgeiziges Ziel, wenn man die Zahl der Schulabbrecher halbieren will? Ist es ein ehrgeiziges Ziel, dass 50 Prozent eines Geburtsjahrgangs im Jahr 2020 das Abitur machen soll? Wie funktioniert das zur Schau getragene Gedächtnis der Bundeskanzlerin, die gerade erst ihre sogenannte Mittelstandsreise hinter sich gebracht hat und gewiss das eine oder andere Mal mit der Frage konfrontiert wurde, was die Politik denn gegen den Fachkräftemangel tut?

Liest Herr Deppendorf den Finanzplan des Bundes? Kennt Herr Hahne die OECD-Bildungsstudie?

Aber das Gedächtnis (oder das abrufbare aktuelle politische Wissen) bei den politischen Journalisten bleibt begrenzt auf die Karteikarten ihres Ablaufplans. Nachfragen nicht vorgesehen.

Warum lässt man Oskar Lafontaine über seine Mindestlohnforderungen und das gute Beispiel Frankreich schwadronieren, ohne mal nachzufragen, wie das denn mit der Schwarzarbeit in Frankreich aussieht?

Warum auch. Man fragt Herrn Steinmacher lieber nach seinem Lachen und die Bundeskanzlerin, wann sie denn endlich Kante zeige, und Herrn Westerwelle, ob er ein Sensibelchen sei.

Das Ausmaß des nötigen Bruchs mit solchen politisch-medialen Kohabitationen ist atemberaubend.

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Das kurze Gedächtnis der FDP

24. August 2009

Stellen wir unser Gedächtnis auf die Probe – und vergleichen die Wahlkampfrhetorik der Liberalen mit ihrem Verhalten als Regierungspartei. Die FDP war zwischen 1969 und 1998 30 Jahre ununterbrochen (abgesehen von ein paar Wochen) in der Bundesregierung. Unter ihrer Regierungsbeteiligung wurde der Spitzensteuersatz mitte der 70er Jahre von 53 auf 56 Prozent erhöht.

Bei diesen 56 Prozent blieb es, bis die FDP in die Opposition geschickt wurde. Von niedrigeren Steuern und Leistung usw. hat sie auch vor 30 Jahren geschwafelt. Aber noch lieber blieb sie an der Macht.

Was die FDP mit der Macht macht, steht auf einem anderen Blatt als ihr Wahlprogramm.

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