Metaphernschule: Da hebt man sich ja einen Leistenbruch …
Während der Abstimmung flüstert er: "Ooooh, this is sooo tense". In seiner Rede zur Gesundheitsreform sagt John McCain: Die Gesundheitsreform sei "hernia-inducing".
Nun gehört es zu den guten rhetorischen Traditionen, die Metaphern zu einem politisch strittigen Thema im Politikfeld zu suchen, um das es geht. Wie würden wir "hernia-inducing" übersetzen? Mit der Warnung, sich nicht zu verheben? Das klänge für ein Gesetzpaket, das in zehn Jahren etwa 850 Mrd. Dollar kostet, wie die Warnung eines moderaten Politikers, irgendwie verständig, mit leicht mehliger Stimme (Genscher, Brüderle, Kinkel) vorgetragen.
Andererseits ist ein Leistenbruch die typische Nebendiagnose älterer Männer. Sie haben sich im falschen Augenblick verhoben – und diesen Sachverhalt irgendwie abgehakt, über Jahre und Jahrzehnte mitgeschleppt.
Gut, dass mit Obama ein Mann im Weißen Haus sitzt, der nicht auf die Idee kommt, über die Schwerstprobleme auf seiner Agenda zu sagen. Autsch, da hebe ich mir ja einen Leistenbruch. Sollen sich andere dran verheben …
Als Werkstudent hatte ich in Berlin in einer großen Heizungsbaufirma gearbeitet. Einmal schaute mir die Seniorchefin über die Schulter, als ich die Schlussfassung eines umfangreichen Angebots in die IBM-Maschine hackte. "Da schwitzt man ja kleine Kartöffelchen", sagte sie schaudernd.
Dieses Bild hat es nicht in die Politik geschafft.


Letzte Kommentare