Der Roman von Gabriel García Márquez "Der Herbst des Patriarchen" hat Pate gestanden für die politische Schaumgeburt dieses deutschen Herbstes. Er werde der "Herbst der Entscheidungen" sein, tönen die schwarzgelben Posaunen.
Was für eine Kreation. Was für ein Unfug. Was für ein metaphorisches Desaster.
Haben Sie den Roman gelesen? Ein schwerer Brocken. Eines Tages wird der Diktator tot aufgefunden. Sein Alter zu diesem Zeitpunkt 107, vielleicht sogar 232 Jahre. Er hat seinen Tod zu Lebzeiten schon einmal vorgetäuscht. Jetzt gibt es keinen Zweifel mehr. Der Mann hat das Land in den Bankrott geführt. Am Ende wird sogar das Karibische Meer verkauft und in Kisten abtransportiert. Ein wilder Reigen eines wilden Lebens entfaltet sich, aus wechselnder Perspektive erzählt. Mehr…
Bundeskanzlerin Angela Merkel redet in ihrem neuen Videopodcast über das Energiekonzept der Bundesregierung. Dieses Dokument belegt, welch unermesslichen Nutzen ungenaues Reden stiftet. Schauen Sie sich – drei Minuten sind auszuhalten! – auch das Video an. Denn die Templin-geschulte Silbenschlucktechnik Angela Merkels verbindet gekonnt ungenaues Reden mit Sinnverkehrung.
"In der nächsten Woche stehen zwei Termine in meinem Kalender, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen: Am Montag werde ich beim „Rat für nachhaltige Entwicklung“ sein und den Startschuss für den Dialog 2010/2011 über das Thema Nachhaltigkeit geben."
War das eine Idee von Beate Baumann – oder ist die Entscheidung, dass Frau Merkel "den Startschuss" abgeben wird, eine honorarpflichtige Agenturleistung? Ein Startschuss eröffnet einen Wettkampf: rennen, schwimmen, rudern, reiten. Das kann über lange Strecken gehen oder sehr kurze Strecken, wie zum Beispiel das 50-Meter-Rennen. Mehr…
Das Zentrum für politische Schönheit hat die Rede Bundeskanzlerin Angela Merkels vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen kontrapunktiert, ein legitimes Mittel, um den Sound des leeren Redens mit Bildern zu kontrastieren, die blinde Flecken der öffentlichen Aufmerksamkeit in den Blick rücken.
Hier das Wordle-Bild mit den 150 häufigsten Wörtern.
Der Rhetorik-Blogger befindet sich nach wie vor aus familiären Gründen im tiefen Süden Frankreichs, nicht weit von Montpellier, wo der Präsident der Region, M. Georges Frêche, gestern Abend einen historischen Akt sondergleichen vollzog: die Einweihung von Statuen, deren Helden Geschichte gemacht haben.
Wer hätte gedacht, dass fast zwanzig Jahre nach der Selbstauflösung der Sowjetunion eine Lenin-Statue aufgestellt wird, und das in Frankreich, von einem Ex-Sozialisten? Drei Meter hoch, 800 Kilogramm schwer, für schlappe 200.000 €. Die Statue sieht ein bisschen so aus, als hätte Gustav Gründgens als Mephisto dem Bildhauer Modell gesessen.
Frêche ist ein Provokateur, wie er im Buche steht. Er scheint für den "Garten der Geschichte" einen Riecher für das Regime des Schreckens zu nutzen. Nicht die Erbauung ist sein Ziel. Georges Frêche hat einen Riecher für das aggiornamento des Schauderns.
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