Archiv

Archiv für 14. November 2010

Rhetorische Komparatistik

14. November 2010

Am 10. November hielt Präsident Barack Obama in Jakarta diese Rede. James Fallows weist zu Recht heute darauf hin, wie bemerkenswert  die Rede ist.  Welcher US-Präsident verfügt über eigene prägende Auslandserfahrung, kann auf Grund seiner Kindheit im Jakarta der späten 60er Jahre mühelos kulturelle, ökonomische und politische Parallelen ziehen: Wie sich das Land verändert hat, welche Werte es mit den Amerikanern teilt, warum es auf Grund seiner demokratischen Entwicklung als Vorbild dienen kann.

Am Tag vorher präsentierte George W. Bush seine Memoiren, verteidigte eine engstirnige und verbrecherische Politik, zeigte sich so selbstgerecht wie selbstgefällig. Der Kontrast könnte größer nicht sein. In Jakarta ein weltläufiger Politiker, der Anteilnahme beglaubigen kann, im US-Fernsehen das Schreckensbild eines Politikers, der unter dem Signum eines "anteilnehmenden Konservativen" angetreten war, das er mit jeder Entscheidung seiner Amtszeit konterkariert hatte.

So gibt das eine Datum wie das andere Anlass dazu, einen Vergleich zu erproben. Obamas Rede fordert das implizit heraus. Noch glaube ich nicht, dass seine Präsidentschaft an der engstirnigen Politik der Republikaner scheitern wird, auch nicht, dass Obama aus innenpolitischer Schwäche faule Kompromisse eingehen wird. Dagegen sprechen die Wahlkampfauftritte wie seine Erklärungen nach der Wahl. Er wird um jeden Zentimeter Raum kämpfen. Wer das noch nicht bemerkt haben sollte: Obama kann mühelos an seiner überparteilichen Rhetorik der ersten beiden Jahre anknüpfen, ja, er kann seine Intentionen anders beglaubigen und ernten, wo er gesät hatte und damit bisher nur auf Unwillen und Spott gestoßen ist. Er wird beide Parteien in die Pflicht nehmen für eine Politik, die nicht unter dem Signum von TINA (there is no alternative) steht, sondern einen Weg geteilter Lasten aus der Krise zu bahnen versucht. Mehr…

Afghanistan, Allgemein, Politische Rhetorik , ,