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Archiv für Dezember, 2010

Guten Rutsch!

31. Dezember 2010

Das ist der 2011-Loop: Es geht rauf – und runter. Das wichtigste dabei wie immer: Haltung bewahren! Alles Gute!

Abwehrzauber, aggiornamento, Allgemein

Abwehrzauber

30. Dezember 2010

Abwehrzauber – das wird ein neues Findlingsstichwort.

Heute Morgen stieß ich gleich auf zwei Findlinge, die irgendwie vergeblich den Schrecken auf Abstand zu halten versuchen.

Den Auftakt macht Tilman Krause, der schräge Literaturkritiker einer Zeitung, deren Layout mich schon, bevor ich lernte, was "white noise" bedeutet, in einen Drehschwindel versetzte. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Krause erinnert am heutigen 100. Geburtstag an den amerikanischen Autor Paul Bowles:

Es versteht sich von selbst, dass dieser gebildete Amerikaner aus New York City alles andere als multikulti war und nicht im mindesten daran dachte, in Marokko, wo er von 1947 bis zu seinem Tod 1999 lebte, nun etwa zum Araber zu mutieren.

Wogegen richtet sich dieser Abwehrzauber des strauchelnden Literaturkritikers? Was kippt ihn aus der Spur? Welchem Affekt ist er nicht gewachsen? Was übermannt Krause? Mehr…

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Abschiednehmen

30. Dezember 2010

Morgen Abend endet die Übernahme dieses Blogs beim Handelsblatt. Von meinen dortigen Lesern verabschiede ich mich in der Hoffnung, dass sie den Sprung hierher in meine Nische wagen und mir gewogen bleiben.

Allgemein

R.I.P. Billy Taylor

30. Dezember 2010

Vorgestern starb Billy Taylor. NPR erinnert an einige denkwürdige Radiosendungen, kein Wunder, gehört er doch zu den Gründervätern des Qualitätsradios. Der Titel des Stücks – Beautiful Solo – hebt den tastensingenden Pianisten mit der blitzschnellen rechten Hand hervor und macht zugleich diskret deutlich, welche Ensemble-Geschichte er verkörpert und ermöglicht hat.  Paul Jorion erinnert an das Gefühl, was es bedeutet, frei zu sein.

Billy Taylor war ein Schutzpatron des Jazz – und ohne dass Simic von ihm sprechen muss, fühle ich mich in diesem dichten Stück an seine Gegenwart erinnert. Hier erinnert James Fallows an eine TV-Show Taylors in den späten 50er Jahren: The Subject Is Jazz.

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Zur Rhetorik des Müssens

29. Dezember 2010


Zugegeben, das Papier ist schon etwas verstaubt, dazu trägt aber weniger die Zeit bei, die seit seiner Veröffentlichung verstrichen ist, als vielmehr die  Sprache, die in diesem Wordle-Bild auf den Punkt gebracht scheint.

Die Aufgabe der SPD-Generalsekretärin wird nach Ende ihres Mutterschaftsurlaubs darin bestehen, das Tal zwischen dem "Müssen" dieses Papiers und dem Wollen der Bürger zu überbrücken. Ingenieurstechnisch ist das vielleicht machbar, politisch und ästhetisch aber eher unwahrscheinlich. Das Tal ist zu tief, die Sprache zu verquast, Sollen und Sein zu galaktisch weit von einander entfernt.

Es könnte sein, dass die mangelhafte politische Sprache der sozialdemokratischen Funktionäre nur ein Spiegelbild der insuffizienten politischen Sprache der Regierung darstellt, vom Ausmaß der Aufgaben beide überfordert, vielleicht auch zu furchtsam, einige unerfreuliche Sachverhalte auszusprechen.

Früher galt es als ein Vorzeichen der Revolution, wenn "die Oben" nicht mehr konnten, wie sie wollten, und "die Unten" nicht mehr wollten, wie sie sollten. Heute sieht das anders aus. Die politische Klasse kann und will nicht die Tatsachen darlegen. Tatsächlich scheinen die Tatsachen wie von selbst in der Lebenswirklichkeit der Menschen anzukommen.

Das reicht nicht für eine Revolution. Es sieht eher nach Revolte aus.

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