Archiv

Archiv für Januar, 2011

Tk-bedingte Sendepause

31. Januar 2011

Gerade zeigt der netometer, dass die 5GB-Grenze des UMTS-Sticks erreicht ist. Die multisim-Karte kommt erst in zwei Tagen und der DSLanschluss in 2 Wochen, also Tage des Lesens und Schreibens offline ahead

Allgemein

Glückliches Arabien

30. Januar 2011

Für spätere Zwecke hier eine Linkliste aus meinem Newsfeed, auf die ich gelegentlich zurückkomme. Mehr…

Allgemein, Arabische Welt

We Do Big Things

26. Januar 2011

Und hier folgt das Wordle-Bild des Transkripts:

Das Format der Rede zur Lage der Nation ist ehrwürdig. Der Redner bedient eine Konvention. Man kann der Konvention konventionell entsprechen. Das ist die Regel. Oder man kann sie überlisten, indem man die Konvention neu definiert. In dem politischen System geteilter Macht, im System der checks & balances, hat Barack Obama gestern Abend vorgeführt, wie man der Konvention entspricht und sie zugleich überbietet.

Er hat Herbert Achternbuschs Atlantikschwimmer-Zitat als unausgesprochenes Leitmotiv genutzt: Du hast keine Chance, aber nutze sie. Bill Clintons Arbeitsminister Robert Reich rieb ihm heute unter die Nase, er habe den dicken Elephanten vor seiner Nase übersehen. Was für ein Irrtum. Obama hat den republikanischen Elephanten am Rüsselring durch die Manege geführt. Er hat ihn dazu animiert, sich zu einer Musik, die ihm in die großen Ohren gellt, auf die Hinterbeine zu stellen. Er hat ihn bezwungen, mit den Vorderbeinen zu applaudieren. Standing ovations, wie es die Konvention gebietet. Mehr…

Allgemein, Politische Rhetorik, storytelling

Wut und Würde – oder Scham und Schande?

25. Januar 2011

In Deutschland kreiert man von oben herab einen Begriff, der wie mit einer Fliegenklatsche gleich mehrere Funktionen erfüllt (oder erschlägt): Er diffamiert. Er verzerrt. Er verprellt. Er entwaffnet. Ein Präventionsbegriff: der Wutbürger. Rhetorische Entwaffnungsmedizin, gegen einen bürgerlichen Virus mit Moral.

In Frankreich war es der deutsche Emigrant  Stéphane Hessel (ok, nach 86 Jahren in Frankreich und neun Monaten im KZ Buchenwald ist der Herkunftsnachweis irreführend), der mit dem Traktat "Indignez-vous!" die Würde der Bürger wiederherstellte, eine Operation, für die im Kleinklein der politischen Analyse keine Begriffe bereit stehen, um sie zu entwaffnen. Die Würde ist und bleibt potent.

Und nun stehen im Königreich Belgien, der Pommes rot-weiß-Kultur, in einem dialektischen Dreisprung neuer alter Begriffe, die Scham und die Schande in neuer Blüte.

Was ist da los? Mehr…

aggiornamento, Allgemein ,

Vorschau

24. Januar 2011

Allmählich wieder arbeitsfähig, immer noch prekär, immer noch breitbandunterversorgt, mit schelem Auge verfolge ich den Datendurchsatz, noch 1,8 GB von der Vollbremsung des USB-Sticks.

Dennoch wage ich eine Themenvorschau dieser Woche:

- ich komme zurück auf Obamas Tucson-Rede

- Mittwoch steht die State of the Union Rede auf dem Plan

- dann werde ich etwas ausführlicher über Tunesien schreiben. Dabei spielt auch eine Rolle, dass ich vor 23 Jahren, kurz nach Ben Alis Staatsstreich gegen Bourghiba, drei Monate in Tunesien gelebt habe, und damals eigene Erfahrungen mit Ben Alis Schergen machen konnte

- außerdem rekapituliere ich meine bisherigen Beiträge zum noch amtierenden Bundesverteidigungsminister, dessen Verhalten das Drama des verwöhnten Kindes vorführt. Im Zweifel sind immer die anderen Schuld, eine chronische Nervenreizung, durch welche sich zu Guttenberg in einen politischen Wiedergänger von Robert Musils Romanfigur Moosbrugger verwandelt, irgendwie scheint alles unschuldig, was er tut. Es gibt eine einzige vorhersehbare Konsequenz dieser Attitüde: Ihm wird die Loyalität aufgekündigt. Wer wagt es, zu einem Mann loyal zu sein, der das politische Reziprozitätsgebot der Loyalität so grotesk missachtet? Roman Herzogs Interview im Zeit-Magazin der letzten Woche hat das Urteil über zu Guttenberg in absentia gesprochen:

Man lebt in diesen Ämtern entgegen den umlaufenden Gerüchten sehr von der Loyalität der anderen. Wenn ich ständig öffentlich darüber rede, was der Kollege Soundso für Fehler macht, dann kann ich nicht damit rechnen, dass der den Mund hält, wenn ich mal einen Fehler mache."

Noch lebt zu Guttenberg vom Schweigen der Anderen.

- Heute werde ich etwas über die seltsame Situation in Belgien schreiben. In Deutschland gibt es den Wutbürger. In Frankreich erhebt sich die bürgerliche Würde unter dem Signum der Empörung. In Belgien demonstriert man gegen die Schande.

Schließlich trage ich etwas nach, was schon am 21. Januar fällig gewesen wäre.

Ketil Bjørnstad hat mit dem Cellisten Svante Henryson für ECM das Album Night Song eingespielt. Eine Hommage an Franz Schubert, eine fast 76-minütige Entführung aus der Kälte und der Dunkelheit in eine Melancholie, die, so paradox das klingen mag, tröstet. Besäßen Cormac McCarthys Romanfiguren des Vaters und des Sohnes aus dem Roman THE ROAD ein Abspielgerät, das auch in der Welt der Postapokalypse funktioniert, dann hüteten sie nicht nur das Feuer, dann tröstete den Sohn diese Musik über den Verlust des Vaters.

Abwehrzauber, Allgemein, Musik , , , ,