“Fraglos ein Betrüger”
"Wie kann jemand etwas tun und nicht wissen, was er tut?" fragt Prof. Dr. Oliver Lepsius. Er würde, käme ein Student mit so einer Arbeit, ihn auslachen. Ihm sei vollkommen schleierhaft, wie zu Guttenberg den Vorsatz zu täuschen bestreiten kann.
Klare Worte! Der BR hat die Youtube-Verbreitung des Interview unterbunden. Schade. Aber unter diesem Link kann es auf der Website des BR weiter begutachtet werden.
Auf einen Beitrag von Frank Lübberding bei weissgarnix antwortete ich heute Abend:
Als Minderheit in der Minderheit habe ich den Mann von Anfang an ebenso kritisch gesehen wie die früh beginnende Hofberichterstattung in den Springer-Medien (die FAZ hat gleich nach der Glos-Nachfolge-Berufung höhnisch das Vorwort zur Diss zitiert).
Ich erinnere an eine Argumentationsfigur, die Lothar Baier in Nachfolge von Pier Paolo Pasolini in die deutsche Debatte eingebracht hatte: den nonkonformistischen Konformismus. Diese Figur erklärt avant la lettre zG.
Jede politische Attitüde (mehr war es nie!) war von vornherein erstens nicht belastbar (was ist denn das für eine Figur, wegen Opel die Möglichkeit eines Rücktritts anzudeuten? – kaum mehr als ein Ballett-Kratzfuß: Küss den Fuß, Madame!), zweitens war ihr der Weg bereits geebnet, bevor sie eingenommen wurde – Afghanistan-Krieg)und drittens war jede Attitüde in erster und letzter Instanz durch die PR vorgegeben, nicht von politischer Substanz, nebenbei übrigens auch weder konflikt- noch organisationsfähig.
Das gleiche gilt für zGs Klavierspiel. Wenn er öffentlich klimpert, dann immer irgendein Virtuoso-Stückchen, das auf mich wirkt, als hätte irgendjemand ihm in den verborgenen Schlitz einen Groschen für den Mann am Klavier reingeworfen.
Im Unterschied dazu ist zB Herr Ramsauer, der in der Jugend an eine Pianistenlaufbahn dachte, ein nicht nur passabler Pianist, sondern kann das auch an nicht virtuosen Stücken glaubhaft machen.
Vor zehn Jahren war ich mal auf der Frankfurter Musikmesse im Salon der Konzertflügel. Man musste sich dort auf einer Liste eintragen. Vor mir war eine lodengrüne Dame damit zugange, auf den Bechsteins, Blüthners, Steinways, Bösendörfers und Faziolis immer nur grauenvolle Jägerquinten runterzukaspern. Ich war schon drauf und dran, ihr zu einem Jagdhorn zu raten.
Als “Pianist” wirkt zG auf mich wie jemand, der es nicht über den Flohwalzer hinaus gebracht hat, das aber mit Emphase. Ich weiß, dass ich da etwas über das Ziel hinaus schieße: Aber es illustriert die PR-Technik seiner Selbstinszenierung.
Die netzwerk recherche Kollegen haben viele Jahre durchzusetzen versucht, dass Journalisten keine PR machen. Faktisch war es nicht möglich, weil es für viele Freie unumgänglich geworden zu sein scheint. Aber die wenigsten kennen offenbar die Tricks des Handwerks und verwechseln die perfekte Fassade mit irgendeiner Botschaft, für die sie sich, ohne zu wissen wie, als Verstärker missbrauchen lassen.
Anstelle eines Goldrahmens



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