Abstrus
Was im Kalenderjahr 2005 laut Presseberichten alles abstrus genannt wurde:
divergierende Zahlen über den Hunger in Brasilien, ehrgeizige Profitvorgaben der Chefetage, eine andere Position in Sachen Vermögenssteuer oder DNA-Tests, seine Interventionen, hässliche Preise, die Verharmlosung von Zwangsprostitution, der Glücksspielcharakter der bisher doch so berechenbaren Formel 1, die Vorwürfe des Arztes Lwow, das abhebende halbe Ruhrgebiet, die katholische Morallehre, ein unausgesprochenes machtpolitisches Interesse, über die nukleare Teilhabe auch ein klein wenig teilzuhaben am Entscheidungsprozess über den Einsatz von Atomwaffen, Aufbruch nicht Bestätigung, wie es die Schwarz-Gelben möchten, die Haltung, die in diesen Sätzen zum Ausdruck kommt, Bilals Geschichte, das Ganze, um den Beteiligten allfällige Dementis zu ersparen, auch das, ein Bericht des "Stern", zu glauben, einer von ihnen könne das gesagt haben, Frau Savants Tipp, der Vorschlag von Handwerks-Präsident Otto Kentzler, Krankheitstage vom Urlaub der Arbeitnehmer abzuziehen, ein Pressebericht, in den Entscheidungen auf die geballte Kompetenz der Wirtschaft zu verzichten, Lafontaines Äußerung, die Nationalsozialisten seien nicht fremdenfeindlich, sondern rassistisch gewesen, die Forderung des Marburger Bundes. Undsoweiter.
Wie so oft hat Freiherr zu Guttenberg in dem Wortlaut des halbgaren Dementis die Funzel der Gegenaufklärung benutzt. Abstrusus heißt im Lateinischen "versteckt, verborgen".
Die Rede ist verstockt. Der Missetäter uneinsichtig. Das Angebot der Nachbesserung bei Neuauflage ist Chutzpe pur und macht den Kardinalfehler nicht ungeschehen. Herr zu Guttenberg würde gern zaubern können. Er sucht Zuflucht bei untauglicher Magie. Auch die erneute Afghanistanreise wird ihm nicht helfen.
In dem Dementi, in der Wortwahl des Abstrusen, findet der väterliche Tadel am mäßig begabten Kind sein Echo.


Letzte Kommentare