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Archiv für 25. Februar 2011

Moralische Dissonanz

25. Februar 2011

Eben lese ich, die Affäre zu Guttenberg sei überstanden. Leicht abgewandelt stoße ich auf ein Zitat aus meiner "Wettertannen-Analyse":

Der Sünder überlebt nicht nur, er ist auch noch gestärkt.

Das warten wir mal ab. Günter Bannas schreibt heute in der Druckausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (noch nicht online):

Aus den sogenannten Kreisen der Union wurden Beschwerden kolportiert, die Fragesteller von SPD, Grünen und Linkspartei hätten versagt. Nicht präzise genug seien die Fragen gewesen, den Minister in Schwierigkeiten zu bringen.

Die Beobachtung teile ich. Es lohnt sich, in aller Ruhe das (vorläufige) Plenarprotokoll der Aktuellen Stunde des Deutschen Bundestags zu lesen. Der Vorwurf aus den sogenannten Kreisen ist berechtigt. Es wäre eine Steilvorlage für MdB Bartels gewesen, den Bundesverteidigungsminister nach seiner Einlassung zu der ehrenwörtlichen Erklärung weiter danach zu fragen, welche Unterscheidungen er zwischen der Textsorte seines Amtseids, einem Ehrenwort und einer Erklärung trifft.

Denn darin liegt der unauslöschbare Frevel des Skandals. 1958 sagte Bundeskanzler Adenauer:

Was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern?

Eine kluge Frage – aus der Perspektive des Erkenntnisfortschritts. Die Lüge allerdings ist eine Textsorte, die präzise datiert werden kann. Herr zu Guttenberg hat diesen Aspekt seiner Verfehlung und seiner bisherigen Verteidigungsstrategie noch nicht verstanden: die Textsorten der Verbindlichkeit.

Wir wissen, nach der Mitteilung von Günter Bannas, warum die Fragen danach nicht gestellt wurden. Die Mitglieder des Deutschen Bundestags schätzen den derangierten Bundesverteidigungsminister als Schmorbraten auf Wiedervorlage.

Die Deutschen, schreibt Ulf Poschardt heute in der Welt, wollten von normal verschatteten Politikern regiert werden. Vielleicht.

Aber nicht von Verpeilten.

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