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Archiv für April, 2011

Politische Geologie

30. April 2011

Gäbe es nicht die CSU, wir müssten sie erfinden! Ein erkalteter Stern in der politischen Galaxis, ihr Generalsekretär Dobrindt ein wahres Leuchtfeuer – weniger für gute Ideen als dafür, undenkbar Fieses ins Feld des Gegners zu schmettern, ein fleischgewordener St. Florians-Jünger, wie er im Buche steht.

Heute Morgen um elf Uhr berichtet der Deutschlandfunk in seinen Nachrichten:

Die CSU hat ihre Ablehnung bekräftigt, in Bayern nach einem möglichen Standort für ein Atommüllendlager suchen zu lassen. Das Land sei aus geologischen Gründen dafür nicht geeignet, sagte Generalsekretär Dobrindt dem "Hamburger Abendblatt". Der Salzstock in Gorleben werde ergebnisoffen erkundet. Bevor die Untersuchung nicht abgeschlossen sei, müsse über weitere Fragen nicht nachgedacht werden.

Aha. Der Freistaat Bayern ist aus geologischen Gründen nicht dafür geeignet, den Müll seiner Nachbarn aufzunehmen. Der General der Staatspartei will den Dreck der Daseinsvorsorge möglichst den anderen aufhalsen.

Überhaupt ist das "ergebnisoffene" Erkunden eine Figur, die danach klingt, als seien die Ergebnisse bereits in Auftrag gegeben und müssten nur noch wie bestellt geliefert werden. Mehr…

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Abwehrzauber, aggiornamento, Allgemein, Metaphernschule

Zukunftsideen (1)

30. April 2011

They try harder. Sie sind nicht DIN-verwurmt.

Heute eröffne ich die Rubrik Zukunftsideen, um Ideen und Projekte vorzustellen, die weiter denken, die unkonventionell sind und mit einem neuen Blick auf diese Welt ungeahnte Produktivkräfte entfalten helfen. Manchmal scheint es hilfreich zu sein, mehr als bloß vertikale Vernunft anzuwenden, etwa indem man wie diese Amerikaner sich nicht mit einem Problem begnügt, sondern gleich drei zu lösen versucht.

Heute: eine photovoltaische Straßenwelt aus Glas. Gute Reise!

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aggiornamento, Allgemein, Zukunftsideen

Remembering

30. April 2011

Heute Morgen stieß ich über Lo Breier auf dieses Video des Avishai Cohen Trios. Cohen gehört zu den singenden Kontrabassisten. Das Stück erinnert mich in seinem lakonischen Minimalismus an Ludovico Einaudi, wäre da nicht dieser Bass, der der Lakonie etwas entgegensetzt, was in ihr nicht vorgesehen ist.

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aggiornamento, Allgemein, Jazz

Ben Bernankes Unwucht

28. April 2011

 

Das war eine Premiere. Erstmals gab der Chef der amerikanischen Notenbank eine Pressekonferenz. Dem Wall Street Journal verdanke ich das Transkript seiner einleitenden Bemerkungen.

Hier sehen Sie die wordle-Wolke und erkennen auf Anhieb ein erstaunliches Detail, um nicht zu sagen eine gravierende Unwucht. Die Fed hat, anders als die Europäische Zentralbank mit der deutschen Inflationsobsession, gleichermaßen auf Inflation und Beschäftigung zu achten.

Tatsächlich rangieren Beschäftigung und Jobs ausweislich dieser Worthäufigkeitsverteilung (rechts oben) unter ferner liefen.

Die Beobachtung verdanke ich Frank Tantillo.

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Allgemein, Finanzkrise ,

Redenschreiber und Barden

27. April 2011

… haben etwas gemeinsam: Wenn es ernst wird, also wenn das Wildschwein aufgetischt wird, bekommt der Barde den verdienten Knebel. Redenschreiber mit politischem Ehrgeiz müssen lernen, wann es so weit ist.

Denn nur wenige Redenschreiber wechseln tatsächlich erfolgreich auf die andere Seite. Friedbert Pflüger gewiss nicht. Paul Ryan, wie dieses Video zu belegen scheint, wohl auch nicht. Auch nicht der amtierende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag Schleswig-Holsteins, der Mann mit der Fliege.

Anders siehts aus bei Peer Steinbrück, eine Ausnahme, die meine Regel bestätigt.

Das Video dokumentiert eine Town Hall, in welcher Paul Ryan zum Missfallen des Publikums versucht, recht zu behalten. Der republikanische Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Repräsentantenhaus erlebt eine Bauchlandung.

Er hat eine wichtige Lektion noch nicht gelernt: gute Gelegenheiten für ein tiefes Schweigen zu erkennen!

 

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