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Archiv für 13. August 2011

Moral-Rhetorik

13. August 2011

"Wie fasst man Ohnmacht so in Worte, dass sie Mut machen können?"

Mit dieser Frage beschreibt Egon Bahr heute in der "Welt" die Aufgabe, nach dem Mauerbau eine Rede für Willy Brandt zu schreiben. Brandt hielt die Rede am 16. August 1961 vor dem Schöneberger Rathaus. Hier finden Sie den O-Ton der Rede aus dem RIAS-Archiv.

Es dürfte in den kommenden Wochen und Monaten weitere Gelegenheiten geben zu rhetorischen Übungen moralischer Not.

"Lasst Euch nicht zu Lumpen machen!" Dieser Appell Brandts an die persönliche Ehre dokumentiert die Tiefe einer rhetorischen Dialektik, die sich individuell an jeden richtet, der im Sicherheitsapparat seine Funktion erfüllte, eine Aussage zugleich, die ein moralisches Urteil fällte und so die Ohnmacht zu kompensieren versuchte.

Könnte Angela Merkel so eine Rede über die Turbulenzen der Finanzmärkte halten, die nichts Anderes tun, als die Völker Europas in Geiselhaft zu nehmen?

Vielleicht. Aber es gibt im Umfeld der Bundeskanzlerin niemanden wie Egon Bahr. Der Kanzlerin fehlt nicht der persönliche Mut. Ihre Rhetorik aber erlaubt keine Dialektik in actu. Merkels Dialektik folgt der Logik verteilter Systeme, eine Dialektik verwischter Spuren.

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