R.I.P. rml
Das erste Mal fiel er mir auf bei einer Buchvorstellung der Bertelsmann-Stiftung im Münzsalon. Ein selbstgefälliger Matthias Machnig erzählte im März 2009 aus seiner damaligen prekären Parksituation etwas weitschweifig Abwegiges über die Obama-Kampagne. Der kluge Politik-Stratege hatte trotz mancher Neuerungen in der SPD-Online-Strategie nur die alte Organisationstheorie im Gepäck. rml – so kommunizierte er per Mail unprätentiös, schnell, auf den Punkt kommend – zeichnete die Veranstaltung auf (hielt sie fest, wenn man so will) und bewies Widerspruchsgeist gegen Machnigs Mainstream, auch insofern ein leibhaftiges Echo für Peter Glotz in der Berliner Mitte.
Ich war damals mindestens so exotisch wie rml in dieser Runde. Wohl auch deshalb erschien noch in der Woche danach ein dauerhafter link auf der Carta-Seite zu diesem Blog, der fast zeitgleich mit Michael Sprengs sprengsatz an den Start gegangen war und mit seinem Titel und dem anfänglichen Fokus auf die amerikanische Politik unter dem Verdacht der Paranoiden stand, die rhetorische Spielseite für die große neue Weltordnung zu sein. Großer Unfug, für rml kein Thema.
Ein Jahr später war es, dass er erstmals einen Text von mir zur Euro-Politik und der damals noch eisern genannten Kanzlerin bei Carta als Crosspost veröffentlichte. Es folgten eine ganze Reihe weiterer Crossposts, zuletzt, wenn ich mich richtig erinnere, meine Analyse von zu Guttenbergs Wettertannenrede.
Aber nicht von mir sei hier die Rede, deshalb verlinke ich auch nicht meine Spuren. Sondern rmls Aufmerksamkeit, Neugier, auch der Widerspruchsgeist, wenn ihm die Lust am Sprachspielen ins Dunkel abschweifte. Einen Dissens gab es einmal, als er meine Analyse einer Merkel-Rede als Crosspost ablehnte und damit die Frage verband, wie ich die Rede denn anders (besser) schreiben würde. Da stand für ihn die Beraterperspektive schon mehr im Fokus als die editorische kritische Neugier.
Zuletzt sahen wir uns in Köln bei der Grimme Online Award-Vergabe. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof in mein Düsseldorfer bagno, er in sein Hotel, das Ende eines langen Tages, er bei der NRW-Medientagung, ich auf Stippvisite aus der Pflege meiner Mutter.
Ruhe er in Frieden und mein Beileid seinen Angehörigen. rml hat Spuren hinterlassen, Spuren auf dem Weg zu neuen Zielen, einer methodisch reicheren medialen Interdependenz und Vernetzung.


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