Erstaunlicher Anfang
Schade, dass das Amt des Bundespräsidenten so ist, wie es ist. Oder doch nicht schade, weil uns der neue Amtsinhaber, dem auch ich eine glückliche Hand wünsche, zeigen könnte, was man aus ihm macht – ohne Macht.
Der Einstieg von Joachim Gaucks Rede verwundert:
Wie soll es nun aussehen, dieses Land, zu dem unsere Kinder und Enkel "Unser Land" sagen sollen?
Der Wortlaut lässt offen, welches Ziel der Redner verfolgt, ob er die Ergebnisse einer künftigen Politik imaginiert oder zwei normative Erwartungen mit- vielleicht auch gegeneinander in Stellung bringt. Gauck nimmt mit dem Satz eine Brachialabkürzung, verzichtet auf den durchschnittlichen Dreisprung: Wo kommen wir her? Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Er umgeht die vielleicht zu Beginn auch gefährlichste Klippe: die Frage danach, wie unser Land heute aussieht. Damit auch die Frage, wer von "unserem Land" redet, wer es lässt und warum.
Oder grätscht er mittenmang in die Manege, deutet an, dass das, was künftig wie auch immer aussehen solle, von ihm scharf darauf betrachtet oder angesehen werde, was verbesserungs- oder auch erhaltungswürdig sei?
Der erste Satz erhebt einen normativen Anspruch an die eigene Rolle und verspricht, dass wir mit dem Bundespräsidenten Joachim Gauck auf Überraschungen gefasst sein dürfen. Mehr…


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