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Archiv für März, 2012

Erstaunlicher Anfang

23. März 2012

Schade, dass das Amt des Bundespräsidenten so ist, wie es ist. Oder doch nicht schade, weil uns der neue Amtsinhaber, dem auch ich eine glückliche Hand wünsche, zeigen könnte, was man aus ihm macht – ohne Macht.

Der Einstieg von Joachim Gaucks Rede verwundert:

Wie soll es nun aussehen, dieses Land, zu dem unsere Kinder und Enkel "Unser Land" sagen sollen?

Der Wortlaut lässt offen, welches Ziel der Redner verfolgt, ob er die Ergebnisse einer künftigen Politik imaginiert oder zwei normative Erwartungen mit- vielleicht auch gegeneinander in Stellung bringt. Gauck nimmt mit dem Satz eine Brachialabkürzung, verzichtet auf den durchschnittlichen Dreisprung: Wo kommen wir her? Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Er umgeht die vielleicht zu Beginn auch gefährlichste Klippe: die Frage danach, wie unser Land heute aussieht. Damit auch die Frage, wer von "unserem Land" redet, wer es lässt und warum.

Oder grätscht er mittenmang in die Manege, deutet an, dass das, was künftig wie auch immer aussehen solle, von ihm scharf darauf betrachtet oder angesehen werde, was verbesserungs- oder auch erhaltungswürdig sei?

Der erste Satz erhebt einen normativen Anspruch an die eigene Rolle und verspricht, dass wir mit dem Bundespräsidenten Joachim Gauck auf Überraschungen gefasst sein dürfen. Mehr…

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Herrschaftswissen

22. März 2012

Rites de passage

9. März 2012

So ist es vollbracht. Doch was genau? Ein AbschiedVorfreude

Patrick Bahners hat gestern Abend das Ritual als Haltungsbeweis gewürdigt. Die abgezirkelte Choreographie des Großen Zapfenstreichs rückt auch den abtretenden Bundespräsidenten zurück ins Glied.

Es passt wirklich: denn im Zudecken solcher Widersprüche, im Unsichtbarmachen der Privatperson besteht der Sinn des Zeremoniells, das zu Ehren von Amtsträgern veranstaltet wird.

Das Ritual bildet den Rahmen, durch den die Zeugen in die Geschichte eintreten. Nehmen wir in George Lakoffs Nachfolge das Framing so ernst, wie es sich gehört. Versuchen wir, sichtbar zu machen, was im Ritual abseits der neu geborenen Privatperson Wulff in den Blick gelangt. Überhören wir das seinsvergessene Geschwafel der Moderatoren (ich sah das bei phoenix, wo der Moderator einen Tagesspiegelredakteur als höhnisch schwadronierenden Sidekick brauchte). Mehr…

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Rückgängig machen

8. März 2012

Wer würde das nicht gerne. Manchmal. Etwas rückgängig machen.

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Der Stumm-Macher

2. März 2012

Das hat gefehlt. Wer hats entwickelt? Mal wieder die Japaner.

Wann immer Sie ein Opernhaus oder einen Konzertsaal betreten, achten Sie darauf, was passiert, wenn sich am Ende der Darbietung Buhs in den Applaus mischen. Die japanischen Besucher sind dann wie aus dem Häuschen. Buhs sind für sie Schock und Sensation zugleich. Hooooooooooooooh! Diese Waruikos!

Kein Wunder, dass japanische Forscher ein Instrument entwickelt haben, mit dem vorlautes Dazwischenreden, unbotsame Kritik, also all das unterbunden werden kann, was das Leben kommunikativ und politisch unterhaltsam macht.

Ein von mir besonders geliebtes Büchner-Zitat könnte bei der Idee behilflich gewesen sein.

Geht einmal Euren Phrasen nach bis zu dem Punkt, wo sie verkörpert werden. Blickt um Euch, das Alles habt Ihr gesprochen, es ist eine mimische Übersetzung Eurer Worte.” DANTONS TOD Georg Büchner Werke, III/3 B 110

Der SpeechJammer bombardiert mit kürzester zeitlicher Verzögerung den Dazwischenredner mit dem Echo der eigenen Wörter und bringt ihn so zum Verstummen: ein Stumm-Macher. Mehr…

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