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Archiv für Januar, 2013

Distanz als Zivilisation

28. Januar 2013

 

Die Causa ist bekannt. Oder vielmehr scheint so. Dass sie gestern bei Herrn Jauch zum Thema wurde, nicht verwunderlich. Ich brauch die Geschichte von Frau Himmelreich nicht mehr nachzuerzählen. Sie steht in zahllosen Varianten überall und illustriert einen Sachverhalt jenseits aller erhobenen Vorwürfe, der nicht mit “Sex sells” hinreichend erklärt werden könnte, sondern eher darin besteht, dass es in dieser Gesellschaft ein fast unstillbares Bedürfnis gibt, über Sex in einer Form zu kommunizieren, die weder dem Sex noch dem Nichtsex gerecht wird. Mehr…

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Warum Sexismus an den Pranger gehört

25. Januar 2013

Die Diskussion um den Sexismus als alltägliche Praxis hat bei Twitter inzwischen einen eigenen hashtag erhalten. Eine scheinbar endlose Geschichte, kleingehackt. Vorwürfe, der politische Journalismus sei damit am Ende, verkomme zum unreflektierten Auslösen von Erregungsstürmen, Canetti nutzte hierfür das Bild der Hetzmeute, intonieren einen kulturkonservativen Dekadenz-Diskurs. Es scheint nicht ganz abwegig, darin einen blinden Fleck zu sehen.

Sexismus ist ein alltägliches Phänomen. Er bleibt es, wenn die Gegenwehr nicht augenblicklich funktioniert.

Dass Rainer Brüderle für seine Praxis des Herrenwitzes Zuflucht beim Dirndl sucht, ist unverzeihlich.

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Magische Operation

21. Januar 2013

Jürgen Kaubes Frühkritik zum niedersächsischen Wahlabend im Fernsehen gibt einen Eindruck vom blinden Fleck der politischen Talkshows und der Wahlstudios. Sie erklären etwas für spannend, ohne dass irgend etwas passiert. Mathematisch wirkt das erstaunlich, psychologisch weniger. Das Zählen und das Auswerten passieren hinter der Kulisse, wie das Blutbad in der griechischen Tragödie. Der Schnickschnack der Animationsgraphiken tritt an die Stelle des Chors. Der teilt fast nichts mehr mit, das aber in ausführlichster Liturgie.

Beide TV-Formate, Talkshows und Wahlsendungen, verfügen über keine Methode, mit der Ungewissheitsgewissheit umzugehen, obschon genau die doch irgendwann einmal eine Rolle dabei gespielt haben mag, dass es zu ihrer Erfindung kam, damit andere am folgenden Tag nachbeten konnten, was ihnen am Vorabend an "Erkenntnissen" zuteil geworden sein mag. Das zeigt sich auch daran, dass die Auswahl der Diskutanten auf Basis einer ihnen zugeschriebenen These erfolgt. Damit die Moderation sie wie am Schnürchen durch die Sendung  ziehen kann, sollen sie bei ihrer These bleiben. Dass so Denken in Gang käme oder gar eine Meinung sich wandeln könnte, scheint ausschließbar. Mehr…

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“Ich möchte mein Opfer-Abo kündigen”

17. Januar 2013

Hallo? Ist da die Abo-Abteilung?

Ja. Wie kann ich Ihnen helfen?

Ich möchte mein Opfer-Abo bei Ihnen kündigen

Auf welchen Namen läuft Ihr Abo?

Fickluder.

Tut mir leid. Das geht nicht.

Warum?

Ihr Abo läuft lebenslänglich.

Ach so.

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Sind Sprachnormen symbolische Maginotlinien?

15. Januar 2013

 

Heute Morgen kam als Echo auf eine scharfe Diskussion zwischen Anatol Stefanowitsch, Christoph Kappes und mir ein etwas moderateres Gespräch zwischen Martin Lindner, Philippe Wampfler, Christoph Kappes und mir zustande, das ich mit Erlaubnis der Beteiligten hier dokumentiere. Mehr…

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