Obama-Festspiele

Eine Entschuldigung vorweg. Der Blog war nicht verwaist, aber der Blogger verstört. Einer dieser robusten Peters dieser Welt hatte mich anonym zu einem "new world order-Spinner" ernannt, der dem "neuen Führerkult erlegen sei".Keine Ahnung, wie man zu so einer Idee kommt, kaum durchs Lesen. Dieser Blog dokumentiert durchaus Zweifel an dem, was politisch und rhetorisch – wo auch immer – der Fall ist. Die Distanz einer komparativen Perspektive bewahrt Autoren und Leser davor, sich in eine amorphe Masse zu verwandeln. Die fühlt sich anderswo zu Hause.

Nun aber zu einer schnellen Übersicht, was am Ende der Obama-Festspiele in New York und in Pittsburgh erwähnenswert war: Obama leitete erstmals eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats und zitiert Ronald Reagan:

"A nuclear war cannot be won and must never be fought.  And no matter how great the obstacles may seem, we must never stop our efforts to reduce the weapons of war.  We must never stop until all — we must never stop at all until we see the day when nuclear arms have been banished from the face of the Earth."

Der russische Präsident zeigt eine Schwäche dabei, den richtigen Ton zu treffen. Bei der gemeinsamen Erklärung mit Obama redet er erst diplomatisch von "seiner Exzellenz Obama" und wechselt dann zu Barack, dem Kumpel. Die beiden haben einen Draht zu einander gefunden, der besser funktioniert als der zwischen George W. Bush und dem lupenreinen Demokraten Putin.

Obama zeigt eine Schwäche, als er die Frage nach der Resonanz auf seine Rede mit den Worten beantwortet: "You know, I’ve been in too many meetings. I don’t know."

Die Rede vor der UN-Vollversammlung ist ein Meisterwerk für einen postmodernen rhetorischen Canossagang, aber noch viel mehr für einen Aufbruch in der Geschichte der Vereinten Nationen. Auf Augenhöhe unter Gleichen und ohne mea culpa Boden gutzumachen für ein gemeinsames Verständnis der Aufgaben unserer Zeit.  "The United Nations can either be a place where we bicker about outdated grievances, or forge common ground; a place where we focus on what drives us apart, or what brings us together; a place where we indulge tyranny, or a source of moral authority.  In short, the United Nations can be an institution that is disconnected from what matters in the lives of our citizens, or it can be an indispensable factor in advancing the interests of the people we serve. We have reached a pivotal moment.  The United States stands ready to begin a new chapter of international cooperation — one that recognizes the rights and responsibilities of all nations.  And so, with confidence in our cause, and with a commitment to our values, we call on all nations to join us in building the future that our people so richly deserve."

Bemerkenswert auch die Rede bei der Clinton-Initiative, in welcher Obama einen biographischen Bogen von dem Engagement seiner Mutter zur neuen Ausrichtung der amerikanischen Entwicklungspolitik zieht. Hier wird es interessant sein zu sehen, wie er die verheerende Politik seines Vorgängers vor allem in Afrika korrigiert.

Das nächste große Thema wird Afghanistan. Die Fragen nach einer Exit-Strategie werden lauter. Der Ruf nach mehr Truppen und nach einer neuen Strategie zeigt eine taktische Schwäche der Militärs. Man wechselt Strategien nicht innerhalb von weniger als sechs Monaten. Die Eisenfresser haben keine Argumente für ihre heavy metal Ideen, schon gar nicht in der amerikanischen Öffentlichkeit.

Letzte Bemerkung: Die Meinungsumfragen der letzten Tage dokumentieren eine sich wieder stabilisierende Unterstützung für Obama. Das ist kein Wunder. Dafür ist nicht das Auf und Ab von Stimmen und Stimmungen verantwortlich. Der Eindruck, dass die Republikaner mit ihrer schrillen Dramaturgie unverantwortlich agieren, verfestigt sich. Die kritischen Medienstimmen (in den amerikanischen wie in den internationalen Medien) unterliegen in ihrer Bewertung einem seltsamen Fehler: Sie rufen nach Taten und wissen doch, in welcher Schildkrötengeschwindigkeit politische Entscheidungen ihre Wirkungen zeigen. Die Medienresonanz wirkt angesichts dieses Befundes erstaunlich naiv. Sie bleibt befangen in ihrem 24-Stunden-Zyklus.

Allgemein, Medien, Politikmanagement, Politische Rhetorik
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