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Da kommt ein Sturm … you better run, boy, run …

There’s a storm a comin‘ from Mark Meredith on Vimeo.

 

Mit Verspätung komme ich auf Stephan Lambys TV-Feature über Peer Steinbrück  zurück, das die ARD am Mittwochabend ausstrahlte. Es ist noch ein paar Tage in der Mediathek zu sehen.

Die Resonanz auf den Film ist ambivalent. Nils Minkmar und Peer Schader loben es. Reinhard Mohr dagegen macht sich über das Abgrund-Bohei lustig und findet unter Schaders Lesern Zustimmung bei einem gewissen Hank.

Die Funk-Korrespondenz findet ihren Platz irgendwo dazwischen und findet die Musikauswahl erfrischend. Dem schließe ich mich an und habe deshalb das Video von Richard Hawley hier eingebettet. "There´s A Storm A Coming … You Better Run, Boy, Run …"

Hank und Mohr fahren offenbar gern Achterbahn, wenns nach oben geht – und lästern über die Doomsayer, ein Opportunismus, der vor lauter Gegenwart den Verstand verliert. Steinbrück äußert sich vorsichtiger. Er sieht einige Gründe dafür, dass der Aufschwung eine Korrektur nach unten erfährt: "Das Wachstum wird uns nicht retten vor einigen Maßnahmen, die konjunkturdämpfend wirken werden." Der Ministerpräsident a.D. kennt das Problem der Landesbanken aus eigener Anschauung. Differenzierter als Hank und Mohr äußert er sich auch über die Autosuggestion eines Doomsayers wie Pedram Shayar von Attac, der offenbar ins Scheitern verliebt sei und ein Fegefeuer herbeirede, aus dem man erleuchtet hervorgehe.

Steinbrück illustriert ein Dilemma des Regierungshandelns: Wenn die Kurve in den Keller geht, dann fehle die Muße, um herauszufinden, wie tief es da eigentlich runter geht. Er benennt zwei Fehler – und weicht dabei von der politischen Linie der eigenen Partei ab. Der eine Fehler war schmerzhaft für das Wahlergebnis der SPD, die aus den Augen verloren hatte, dass weite Teile der Arbeitnehmerschaft die Idee der Opelrettung nicht aus einer solidarischen Perspektive, sondern als skeptische Steuerzahler betrachteten. Der andere Fehler sei die gesetzliche Rentengarantie gewesen.

Das persönliche Fazit Steinbrücks teile ich. Dafür habe ich im Januar 2009 mit diesem Blog begonnen:

"Ich glaube, dass sich  die Kommunikation, die personellen Auswahlmechanismen der Politik, ihre Veranstaltungsformen und die Art ihrer Auftritte, wird fundamental ändern müssen, um (verloren gegangenes) Vertrauen zurückzugewinnen."

Die politische Sprache hat – unter dem Wahrzeichen der Rettung – die Wertverluste der Märkte mimetisch nachgebildet und damit den Vertrauensverlust weiter beschleunigt, über den Peer Steinbrück und Helmut Schmidt in Stephan Lambys Film reden. Schmidt macht sich lustig darüber, dass dadurch wie als eine Gegenbewegung das Vertrauen in Greise wie ihn und Richard von Weizsäcker zunehme.

Lange geht das nicht gut. Greise sind nicht unsterblich. Wohin gehts dann mit der wutgetränkten Apathie?

 

 

 

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