O-Democracy
Wir erleben in dieser Stunde die Geburt einer neuen deliberativen E-Demokratie. Obama zu Ehren nennen wir sie heute O-Democracy, wohl auch ein Beitrag für ehrende Erwähnung beim nächsten Online Grimme-Preis. Fast 93.000 Amerikaner haben 104.000 Fragen an Obama gestellt. Diese Fragen wurden mit 3.600.000 Stimmen gewichtet. Kathie Jacobs Stanton hat mit der Adaption des von ihr mit entwickelten Google Moderators die Voraussetzungen für diesen historischen Meilenstein geschaffen.
Gerade beantwortet der community organizer in chief in der Online Town Hall die letzte Frage zu einem Thema der Krankenversicherung (vorvertragliche Ausschlussgründe). Obama erzählt von seiner Mutter, die an einem Ovarialkarzinom starb. Auch ihre Krankenversicherung habe die Kostenübernahme zuerst abgelehnt. Obama weiß, wovon die Frage handelt.
Wir brauchen jetzt nicht auf Details einzugehen. Ohne sidekick, ohne Blaskapelle, ohne Entertainment-Schnickschnack eröffnet Obama eine neue Ära direkter Demokratie und Meinungsbildung. Wir werden in den Kommentaren morgen wohl wieder vom professor in chief hören. Die kurzen witzigen sound bites gehören ebenso zum Repertoire wie der volkswirtschaftliche Aufbaukurs. Das Format ist neu, in jeder Hinsicht.
Die traditionellen Medien werden sich sehr skeptisch zu dieser neuen Plattform äußern. Gatekeeper lieben es nicht, wenn sie umgangen werden. Das Zeitungssterben in Amerika geht weiter. Der Verfassungsrechtler Obama weiß, wie wichtig für das Funktionieren einer Demokratie die freie öffentliche Meinungsbildung ist. Er trägt dazu bei, dass wir uns selbst, ohne Umweg, eine Idee von seiner politischen Agenda machen können.
Wünschen wir ihm und uns – denn warum sollten wir das hier nicht adaptieren können? – dass dieses Experiment Früchte trägt.


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