A Big Fucking Deal
Sixty-six years ago, in the dense, snow-covered forests of Western Europe, Allied Forces were beating back a massive assault in what would become known as the Battle of the Bulge. And in the final days of fighting, a regiment in the 80th Division of Patton’s Third Army came under fire. The men were traveling along a narrow trail. They were exposed and they were vulnerable. Hundreds of soldiers were cut down by the enemy.
And during the firefight, a private named Lloyd Corwin tumbled 40 feet down the deep side of a ravine. And dazed and trapped, he was as good as dead. But one soldier, a friend, turned back. And with shells landing around him, amid smoke and chaos and the screams of wounded men, this soldier, this friend, scaled down the icy slope, risking his own life to bring Private Corwin to safer ground.
For the rest of his years, Lloyd credited this soldier, this friend, named Andy Lee, with saving his life, knowing he would never have made it out alone. It was a full four decades after the war, when the two friends reunited in their golden years, that Lloyd learned that the man who saved his life, his friend Andy, was gay. He had no idea. And he didn’t much care. Lloyd knew what mattered. He knew what had kept him alive; what made it possible for him to come home and start a family and live the rest of his life. It was his friend.
And Lloyd’s son is with us today. And he knew that valor and sacrifice are no more limited by sexual orientation than they are by race or by gender or by religion or by creed; that what made it possible for him to survive the battlefields of Europe is the reason that we are here today.
Die Geschichte des Gesetzes ist eine Geschichte der Heuchelei. Gegen die Heuchelei ist eine Bürgerrechtsbewegung entstanden. Heute hat Barack Obama das Gesetz unterzeichnet, das Schluss mit der Heuchelei macht. "Don´t Ask Don´t Tell" – der Titel des Heuchelei-Gesetzes macht anschaulich, was da los war. Auf Rheinisch hieß das Gesetz: Fraach nichts, saach nichts!
Wie zu erwarten war, fanden Obamas Redenschreiber zu diesem Anlass eine Story, die eines Tages Filmgeschichte schreiben wird. Die Schlacht, auf die Obama sich bezieht, die Ardennen-Offensive im Winter 1944, beschreibt Alfred Andersch in dem Roman Winterspelt. Lloyd Corvin kommt darin nicht vor, auch nicht sein schwuler Retter Andy Lee.
Dass die Ardennen-Offensive in der anglo-amerikanischen Geschichtsschreibung als die "Battle of the Bulge" bekannt ist, hängt mit von Rundstedts Vorstoß gegen die alliierten Linien zusammen. Der Verweis auf diesen Kriegsschauplatz wirkt allerdings kurios.
Wer kommt auf die Idee, unter dem Signum einer historischen Beule ein Gesetz zu unterzeichnen, das es Schwulen künftig erspart, ihre sexuelle Orientierung im Militärdienst zu verstecken? Ich habe in den mir bisher vorliegenden amerikanischen Medien nichts gefunden, das diesen Aspekt bisher aufgegriffen hätte. So was kann man nicht erfinden. Oder doch?
In dieser kleinen Blognische fernab von Washington und dem militärisch-industriellen Apparat zitiere ich den amerikanischen Vizepräsidenten Joe Biden mit den Worten:
"This is a big fucking deal!"


a big fucking shit!
And he knew that valor and sacrifice are no more limited by sexual orientation than they are by race or by gender or by religion or by creed
Darum geht’s, die Entgrenzung der Opferbereitschaft, die Devaluierung des Individuums und seiner Eigenheiten vor der Logik des Krieges, aka Politik, aka Konkurrenz, aka Wirtschaft, aka Kapital.
Obama ist eine einzige Enttäuschung.
Ich nenne ihn Heuchler und “Schröder den Zweiten”. (sagte ich schon mal)
ceteris
Geschenkt. Anderes Thema. Du kennst nicht die politische Geschichte der DADT-Bürgerrechtsbewegung. Dass ich nicht davon begeistert bin, in welcher Verfassung auch immer in den Krieg zu ziehen, muss ich nicht dazuschreiben.
@hütt
Ne, musst du nicht dazuschreiben, es geht ja auch nicht um dich. Sondern darum, mit der Ardennenoffensive, also dem “GutenKrieg” das Rekrutierungsreservoir für die schlechten Kriege zu vergrößern.
Beispiele aus Vietnam hätte es sicher auch gegeben, nur passen die eben nicht zur vorgetragenen moralischen Emphase, die eben die Heuchelei ausmacht. Diese Siege der Bürgerrechtsbewegungen darf man wohl Pyrrhus-Siege nennen – denn am Ende steht hier nicht das Leben, sondern das Sterben.
ceteris
Ich finde, da werden zwei methodisch wichtige Punkte deutlich:
Wenn man sich in der kritischen Analyse politischer Rhetorik mit einer Sache identifiziert (z.B. der DADT-Bürgerrechtsbewegung), fällt es schwer, das Zweifelhafte einer rhetorischen Strategie zu sehen, die im Sinne des eigenen Identifikationsmusters überzeugt. – Ich hatte Hans’ Eingangskommentar gelesen und fand den okay (weil mir natürlich auch die DADT-Doktrin unsäglich erscheint, wie sollte sie nicht?). – Dein Kommentar hinsichtlich der Wahl des rhetorisch funktionalen Narrativs: Ardennenoffensive statt Vietnam, war für mich eine Aha-Lektüre, Du stichst zielgenau in den rhetorischen Ballon. So stelle ich mir kritische Rhetorik vor.
Die Bedingung dafür ist offenbar: Sich nicht vorschnell gemein machen mit vernünftigen Zielen!
Methodisch wichtig ist offenbar die Ersetzungsprobe: Woher kommen die verwendeten Motive und Narrative, welche anderen sprachlichen Wendungen und Narrative hätten auch gewählt werden können, warum diese und nicht jene?
Frohe Festtage allerseits!
morph &ceteris
Sagt bloss ihr seht den Sarkasmus der Beule nicht. Ich fasse es nicht
@hans
“Sagt bloss ihr seht den Sarkasmus der Beule nicht. Ich fasse es nicht”
Ja, da bin ich grad ganz deppert. Ich sehe den Sarkasmus in der Tat nicht. Erläutere mal!
Man koennte den repeal von DADT auch als eine battle for the bulge betrachten.
Die Kultur der Heuchelei ist so opak, dass die politischen Akteure blind fuer die sexuelle Konnotation ihrer Sprache sind
that’s a little far fetched…
Sarkasmus der Beule? Die allenfalls sichtbar wird an den PLÄNEN des FEINDES, weniger an den tatsächlichen Frontverläufen.
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/33/Battle_of_the_Bulge_progress.svg
Die Konnotation würde also von der feindlichen Seite aus konstruiert, also von der berühmten “anderen Seite” her, schwul +/= n*zi. Insofern wäre das schon stimmig, und sicher schwingt da noch was hinter der offiziellen Lesart:
Winston Churchill, addressing the House of Commons following the Battle of the Bulge said, “This is undoubtedly the greatest American battle of the war and will, I believe, be regarded as an ever-famous American victory”.
Nun ja – eine Sprache ohne sexuelle Konnotationen ist auch kaum vorstellbar, zudem diese im Kopf des Rezipienten jederzeit hergestellt werden können.
Ich brauch’ jetzt auch mal ne Pause – schöne Feiertage allerseits!