Die Zeichen an der Wand
Diese Abschiedsreportage des Athener Al Dschasirah-Korrespondenten hat es in sich, eine fein beobachtete subtile Zeichendeutung. Nichts für robuste Ökonomen. Diskrete Unterschiede scheinen diesen Berufsstand kaum mehr zu berühren. Was für ein Wahnsinn!
I´m sorry, we can´t understand you.
Das ist das Problem. Mohamed El-Erian gab vorgestern dem Spiegel ein Interview und bekräftigte, was schon vor einem Jahr die Spatzen von den Dächern pfiffen: So ein Sparprogramm, wie es die Griechen schultern wollen, hat es in der Praxis des IWF noch nicht gegeben. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es nicht klappt. Dass die Griechen nicht mitmachen. Dass das Desaster nur größer wird.
Das Problem der IWF- und EZB-Leute ist kein Übersetzungsproblem. Die Preisgabe der griechischen Souveranität unterwirft das Land nicht der lingua franca, sondern einem Regime, das die Zeichen seiner eigenen Logik nicht zu verstehen scheint. Das berühmte kretische Paradox grüßt aus der Ferne:
Ein Kreter sagt: "Alle Kreter lügen."
Wie geht man mit dem Sachverhalt um, dass nicht nur das Land überschuldet ist, sondern dass unter dem europäischen Rettungsschirm zahllose inländische Gläubiger darauf warten, dass ihre Forderungen beglichen werden?
It´s even impossible to go bankcrupt in this country.
Da liegt der Hase im Pfeffer. Die Fiktion des Rettungspakets färbt ab. Gerettet wird niemand. Oudeis! Kein Wunder, dass Barnaby Phillips in dieser Abschiedsnacht zu den afghanischen Migranten geht, Nachfolgern des Odysseus. Sie sind niemand. Gehasste Niemands. In der Falle einer Zuflucht, die auf sie nicht gewartet hat.
Da tickt eine Zeitbombe. Wir kennen nicht ihre Uhr. Ihre Ziffern scheinen unlesbar. Sie tickt so vor sich hin. Bis sie hoch geht.


Von Souveränität in der Eurozone kann keine Rede mehr sein wenn ein EZB Bürokrat wie Axel Weber davon spricht:
Wer ist hier genau “WIR”, der den einzelnen Mitgliedsstaaten vorschreibt was sie in ihre Verfassungen zu schreiben haben? Wenn das so weitergeht dürfen sich die Mitgliedsstaaten ihre politische Agenda als Checkliste direkt in Frankfurt abholen.
Stephan
Das “Wir” ist eine teutonische Maske der Macht. Ob sie sich durchsetzt, ist nach dem Abtritt von Weber noch fraglicher geworden. Kenneth Rogoffs Interview mit der FAZ finde ich lesenswert. Die schwäbische Hausfrau ist in Europa nicht durchsetzbar. Mal sehen, was der nächste Gipfel für ein Ergebnis hat – und wie sich die Parteien der schwarzgelben Koalition dazu äußern werden. http://www.faz.net/s/Rub3ADB8A210E754E748F42960CC7349BDF/Doc~E544A9861A72A45A3B2DF0D15727B53DD~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Also ich bin da sehr pessimistisch. Das ganze Merkel Gedudel in Davos über mehr Wettbewerbsfähigkeit usw. Hab heute beim Frühstück die Präsentation von Lorenzo Bini-Smaghi Sovereign Risk and the Crisis für die London Business School überflogen. Da verschluckt man sich am Buttersemmerl. Der Mann ist ein Axel Weber Klon.
Das passiert wenn Fanatiker vom IMF und EZB die Macht übernehmen. Höhere Bildung ist so was von unnötig und diese Ausgaben müssen daher unbedingt vermieden werden.
http://www.gopetition.com/petition/42790.html
@Hans
Ein Hoffnungsschimmer! Die griechische Regierung entdeckt, dass sie ein Rückgrat hat. Bloomberg:
Greek Government Criticizes EU, IMF Demands for Asset Sales
Stephan
Die Griechen und die Iren werden irgendwann nicht mehr mitmachen. An welchem Punkt das passiert, ob es symbolische Kommunikation (oder unzureichendes Verständnis für symbolische Zumutungen) ist, ist dann ziemlich egal. Dann ist Schluss.