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Das Museum der gescheiterten Produkte

Wir finden es in Ann Arbor, dem Leuchtfeuer der empirischen Sozialforschung. Ein Outlet der Nürnberger GfK. Sie sammeln dort Sachen wie Joghurt-Shampoo oder was für besonders ölige Haare, die Frühstücks-Pepsi, koffeinhaltiges Bier (Wachmacherschnarchdrink), sich selbst erhitzende Suppendosen mit der unangenehmen Eigenschaft, den hungrigen hoffnungsvollen Suppenessern um die Ohren zu fliegen, Pfefferminzdrops, die dummerweise verpackt waren wie die kleinen Crackpäckchen der Straßendealer, ganz zu schweigen von den Glückskeksen für Hunde, die sich bekanntermaßen danach verzehren, das Horoskop für die nächsten drei Minuten von ihren Herrchen vorgelesen zu bekommen.

Hunde leben nicht von der Antizipation, sondern im Hier und Jetzt. Die Menschen sind kaum anders.

Die Guardian-Story ist ein Reportagejuwel über das "Pathos der Dinge", Vorabdruck eines Buchs, das nächste Woche in UK erscheint. So geht es dahin, wären nicht überall auf der Welt irre Designer und Produktentwickler dabei, den nächsten Unsinn in Verkehr zu bringen.

Der Erfinder des famosen Museums trägt einen Namen, der selbst wie erfunden klingt: Robert McMath. Inzwischen ist der gelernte Marketingmann pensioniert. Seine Idee für das Museum verdankt er einer Einsicht, die Werber um den Preis des Existenzverlusts nie einräumen würden:

Most products fail.

Um genau zu sein: ungefähr 90 Prozent.

Mir lässt diese Zahl keine Ruhe. Wer und was kommt durch? Was bleibt auf der Strecke? Schauen wir uns die Welt der Politik, die Welt der Ökonomie an. Wo sehen wir die 90 Prozent, die ins Museum der gescheiterten Ideen gehören?

Crosspost

Abwehrzauber, aggiornamento, Allgemein

  1. Golem
    20. Juni 2012, 13:49 | #1

    Sich selbst erwärmendes Dosenfutter klingt nach EPA im Marschgepäck und Notration und Winterwendejacke (Neckermann). Inzwischen haben die Militärlieferanten das mit der Explosiongefahr in den Griff bekommen und das Zeug steckt auch nicht mehr in Weißblech sondern in Kochfolie und Alu.
    Ich erinnere mich noch an ein Argument, das einem um die Ohren gewickelt wurde, wenn man es wagte, den rationalen Nutzwert der Mondflüge in Relation zu den tatsächlichen Ausgaben für die sg. Entwicklungshilfe zu denken. Es hieß immer, was bei der NASA an nützlichen Abfallentwicklungen anfiele, wäre ein derartiger Fortschritt für die irdische Zivilistion (besonders die Teflonpfanne in der Einbauküche), da wären die Kosten doch mehr als gerechtfertigt.
    Mir fällt die Leidensmelodie der weihnachtlichen Volksweise "Maria durch ein Dornwald ging" ein: Was kriegt das Kind zum Patengeld? Kyrie eleison. Den Himmel und die ganze Welt, das kriegt das Kind zum Patengeld. Jesus und Maria.

  1. 19. Juni 2012, 09:19 | #1
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