
Wie soll man das bewerten? Ist es Larmoyanz? Ist es der Versuch, die Wagenburg zu schließen? Ist es Realitätsflucht? Kampfesgeist auf verlorenem Posten?
Die FDP wird auch dadurch nicht sympathischer, dass sie nun eine sogenannte Kampagne abwehrt. Rechnet Herr Westerwelle Herrn Keitel dem Linkskartell zu? Ist der Wettbewerbsprophet Brüderle kompetent in Erscheinung getreten, weil er einem Pfalzfreund eine sincecure zugeschustert hat?
Nun könnte ich einwenden, dass es zwei FDP-Minister gibt, die alle Anerkennung verdienen, weil sie im Begriff sind, die schwersten Brocken zu schultern, die es in der deutschen Politik gibt. Herr Rösler kann viele Punkte machen, wenn er die Empfehlungen seines Sachverständigenrats aus den letzten fünf Jahren nachliest und damit abgleicht, von welchen Empfehlungen sogar die Große Koalition Abstand genommen hat. Sonst wird er sich verkämpfen. Er begeht allerdings den Fehler (wie so oft in diesem Politikfeld), sich frühzeitig auf einen Mechanismus festzulegen, ohne gleichzeitig deutlich zu machen, welche Probleme die Kopfpauschale löst.
Bei der Pharmaindustrie findet er ein ergiebiges Aufgabenfeld, für das er Karl Lauterbachs Zwischenrufe als Minensuchsystem nutzen kann. Denkwürdig die Anne Will-Sendung, in welcher BMG-Staatssekretär Bahr sich gar nicht erst darum bemühte, Frau Yzer aus der Abseitsfalle zu holen, in die sie sich verrannt hatte. Wenn man bedenkt, dass Frau Yzer lange genug im Bundestag gesessen hat, um ein paar Tricks der Selbstbehauptung zu beherrschen, war ihr Auftritt ein Fiasko. Auch die Interviews der folgenden Tage zeigten sie schwer angeschlagen.
Dirk Niebel ist dabei, sich mit der weltweit klügsten Behörde anzulegen: der gtz. Das Fusionsziel ist der schwerste Brocken weit und breit. Herr Niebel kann sich darauf gefasst machen, dass er für sein Ziel auch mit Einzelkämpferausbildung nicht weit kommt. Die gtz-Leute sind gelernte Zopper. Das steht für zielorientierte Projektplanung. Was immer ihnen in die Quere kommt, wird kleingezoppt.
Zurück zum Performanzproblem der FDP: Sie hat sich ohne Zutun Dritter selbst in die Bredouille gebracht. Die Hotelsubvention im Wachstumsbeschleunigungsgesetz wäre nur ein kleiner Fisch, führte sie in ihrer Umsetzung nicht dazu, dass jede Reisekostenstelle in der deutschen Wirtschaft unendlichen vermeidbaren Mehraufwand hat. Eine Beispielrechnung illustriert das Problem: Sagen wir, im ersten Quartal sind sechs Millionen geschäftlich veranlasste Übernachtungen abzurechnen. Das sind sechs Millionen Buchungsvorgänge mit separater Mehrwertsteuererfassung. Selbst wenn das am Ende alles automatisiert ist, entsteht hoher vermeidbarer Mehraufwand. Kein Wunder, dass Herr Keitel nicht amüsiert ist. Oder Herr Kannegießer.
Die FDP ist vorsätzlich und ohne Not hinter den ihr gegebenen Möglichkeiten geblieben. Inzwischen wirkt ihr Auftritt so, als hätte sie begriffen, dass ihr nur ein kleines Zeitfenster für entschlossene Bereicherung der eigenen Klientel verbleibt. Vor allem Herr Brüderle, der kürzlich ein sympathisch wirkendes Porträt in Verkehr bringen ließ, hat bisher jede Möglichkeit verpasst, der Forderung der Bundeskanzlerin zu folgen und eine schonungslose Analyse der Lage vorzulegen. Was hätte der legendäre Marktgraf Lambsdorff daraus gemacht! Die Leisetreterei und Dampfplauderei des Wirtschaftsministers verfolgt ein ganz anderes Ziel, als durch "Taten" irgendeines allzu fernen Tages zu glänzen. Er sieht aus der zweiten Reihe dabei zu, wie der Parteivorsitzende den Schleudersitz betätigt, um dann durch Anciennitätsprinzip die Nachfolge anzutreten.
Die Uhr läuft ab. Das hat nichts mit der Landtagswahl in NRW zu tun. Die Krise kommt mächtiger zurück und erfordert ein politisch entschlossenes Handeln, zu der dieser Regierung das kompetente Personal und die dann erforderlichen Mehrheiten fehlen.
Wie soll man das bewerten? Ist es Larmoyanz? Ist es der Versuch, die Wagenburg zu schließen? Ist es Realitätsflucht? Kampfesgeist auf verlorenem Posten? Die FDP wird auch dadurch nicht sympathischer, dass...
admin Allgemein Angela Merkel, Cornelia Yzer, Daniel Bahr, Dirk Niebel, Guido Westerwelle, Karl Lauterbach, Philipp Rösler, Rainer Brüderle
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