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Artikel Tagged ‘Edmund Stoiber’

Stoiber On Drums

2. Februar 2013

 

Via fefe stoße ich auf dieses Video, das auf bewundernswerteste Weise den berühmten Transrapid-Monolog Edmund Stoibers perkussiv verarbeitet. 

Hier mehr zum Künstler Jonny König und seinem Stück.

Abwehrzauber, aggiornamento, Allgemein, Synästhesie ,

Zeit für Taten?

9. September 2009

Wo leben unsere Wahlkämpfer? Auf welchem Mond? Wie vergesslich dürfen sie sein? Oder für wie vergesslich halten sie die Wähler?

Diese Fragen gingen mir durch den Kopf, als ich ein Wahlkampf-Photo des SPD-Linken Björn Böhning vor seinem Bus sah: Herr Böhning geht mit Edmund Stoibers Wahlkampfslogan von 2002 auf Stimmenfang. In Kreuzberg. Gegen Hans-Christian Ströbele. Gegen die CDU-Dame Lengsfeld, die bekanntlich mehr zu bieten hat.

Seine "Zeit für Taten" verbrachte Herr Stoiber an der Nordsee. Herr Böhning in der Berliner Senatskanzlei. Vielleicht braucht Herr Wowereit ihn da doch noch länger, als beiden lieb sein kann.

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Von Recovery nach Prosperity, einfach …

17. April 2009

Wer erinnert sich nicht an die wunderbare Transrapidvision Edmund Stoibers: "Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München" …  Stoibers rhetorischer Sturzbach war eine Glossolalie der Technikandacht, das dem Reden vorauseilende Denken beglaubigte die Vision, die seine Syntax zerlöcherte. Symbolisch war damit das Scheitern besiegelt, syntaktisch der Anschluss verpasst.

Joe Biden, den sie im Weißen Haus den Sheriff nennen, ist auch ein großer Eisenbahnfan. Bevor der Präsident selbst das Wort ergrefit, schwärmt Biden als trainspotter von den schnellen Eisenbahnen der Zukunft und dankt den Leuten, die das Highspeed-Budget in ARRA ermöglicht haben. "… the first is Secretary LaHood for his leadership and vision.  He jumped right into this job and he didn’t miss a step, didn’t miss a beat, and was ready to go from day one.  And this is very uncharacteristic of me, Mr. President, but I want to thank Rahm Emanuel.  (Laughter.)  Not only as smart as a devil, not only as a former congressman, I believe, Mr. President, it was Rahm’s tenacious, tenacious persistence that led to getting this high-speed rail funding in the Recovery Act."  Trainspotter-Sheriff Biden und dieser teufelsschlaue Rahm haben offenbar mehr als ein Hühnchen zu rupfen. Der große Hub der schnellen Eisenbahnen soll eines Tages in Chicago sein.

Nun aber lauschen wir der Eisenbahnvision Barack Obamas. Bald bricht ein neuer Tag heran. Obamas Zug fährt aber nicht nach Nirgendwo, sondern hoffentlich bald schon mit Hochgeschwindigkeit von Recovery nach Prosperity.

Imagine boarding a train in the center of a city. No racing to an airport and across a terminal, no delays, no sitting on the tarmac, no lost luggage, no taking off your shoes. (Laughter.) Imagine whisking through towns at speeds over 100 miles an hour, walking only a few steps to public transportation, and ending up just blocks from your destination. Imagine what a great project that would be to rebuild America. Hätte Edmund Stoiber seine Syntax, seine Vision (und damit vielleicht auch eine längere Amtszeit in der Residenz) mit John Lennon besser auf die Reihe gekriegt?

Trainspotter Biden rechnet dieses Projekt noch vor Ende der ersten hundert Tage Obamas im Weißen Haus bereits dessen künftigem Vermächtnis zu, doch jetzt hat erst einmal wieder der Präsident das Wort: And that’s why today, with the help of Secretary LaHood and Vice President Biden, America’s number one rail fan, I’ve been told — (laughter) — I’m announcing my administration’s efforts to transform travel in America with an historic investment in high-speed rail."

Transform travel, Fav und Obama sind Alliterationskünstler, wie sie im Buche stehen. Much tratra about a little trickle of billions könnten wir entgegnen. Dreizehn Milliarden reichen kaum aus, Obama aber weist den Einwand selbst zurück. Das sei doch erst der Anfang, und wer ihn davon abhalte, mehrere wichtige Dinge gleichzeitig anzupacken, könne sich ein Beispiel an Abraham Lincoln nehmen, der habe vorgemacht, was mitten im Bürgerkrieg mit Eisenbahnbau erreicht werden konnte.

Obama beendet seine Rede mit dem Rat eines angesehenen Sohns der Stadt Chicago, Daniel Burnham: Make no little plans. (…) I believe that about America: Make no little plans. So let’s get to work. Thank you, everybody.

Make no little plans - das wird von Tag zu Tag deutlicher – ist das Leitmotiv der Politik dieses Präsidenten. Angela Merkel kann ihm bei ihrem nächsten Washington-Besuch eine historische Aufnahme der Dreigroschenoper schenken.

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