Ich poste das Video von Obamas Gedenkrede in Fort Hood als ein Datum auf dem Weg zur amerikanischen Afghanistan-Strategie. Kürzlich bemerkte ein Beobachter Obamas, dass der Präsident sehr häufig von Opfern spreche, er als Oberster Befehlshaber doch auf Sieg setzen müsse.
Marc Ambinder war von der Rede so begeistert, dass er glaubt, sie finde eines Tages Eingang in Lehrbücher der politischen Rhetorik. Ich höre darin die Stimme des Predigers.
Am Mittwochabend schien der Präsident die Initiative zurückgewonnen zu haben. Die geschwinden Pollsters ermittelten wieder wachsende Zustimmung bei den Unabhängigen. Das Bild, das die republikanischen Abgeordneten der vor den Fernsehern versammelten Nation boten, hat sie diskreditiert. Der Stiernacken aus South Carolina, Congressman Wilson, hat sich weniger als zwei Stunden nach der Rede für den Zwischenruf ("Sie lügen!") entschuldigt.
Das sind nicht nur Formalia. Denn in Robert Gibbs Pressegespräch am Donnerstagmittag kommen die kritischen Fragen, vor allem der Fox-Füchse, wie bestellt. In der Rede spreche Obama nicht mehr von 46 Mio., sondern von mehr als 30 Mio. unversicherten amerikanischen Bürgern. Heiße das, dass die bisherige Zahlenangabe von 46 Mio. stillschweigend auch die illegalen Einwanderer in die Rechnung aufgenommen habe – und beabsichtige der Präsident, diese durch die Hintertür zu versichern? Oder was passiere, wenn die unversicherten Illegalen in die Notaufnahme gingen, dann treibe das die Kosten doch wieder hoch.
Chuck und Major haben eine Zwickmühle gefunden. Die Regierung dreht und windet sich, droht ihr Momentum zu verlieren. Sie könnte aus alter Kongressschule eine einfache Lektion beherzigen: Nimm auseinander, was auseinander gehört. Die Gesetzesinitiative zum Thema Immigration kann das separat behandeln. Mal sehen, was wir dazu hören werden.
Wir könnten auch zynisch an das Thema herangehen. Auf dem Umweg über die Gesundheitsbehörden. Es ist 76 Jahre her, dass deutsch-jüdische Emigranten ein Lied davon singen konnten, was es hieß, arm, einsam, ohne Sprachkenntnisse, mit einem elenden 12-Stundenjob gesegnet, krank zu werden.
Obamas Versuch, über Ted Kennedys Brief die polarisierte Öffentlichkeit wieder auf gemeinsamen Boden zu führen, hat nur bei denen gefruchtet, die auf seiner Seite stehen. Der hässliche Amerikaner, von dem William S. Lederer schrieb, ist ein unerfreulicher Wiedergänger seiner selbst, kein Zombie, ein ressentimentgeladener weißer Shotgun-Mann. Das Streben nach Glück hat für ihn einen amerikanischen Pass, einen lückenlosen weißen Stammbaum – oder aber keinen Platz in seiner Welt, es sei denn als Dienstmädchen, für das er keine Sozialversicherung und keine Steuern zahlt.
Die Kampagne geht weiter. Morgen, am Samstag, fliegt Barack Obama nach Minnesota, zum nächsten Town Hall Meeting.
Nachtrag vom 14.9.09:
Diese Veranstaltung zeigt Obama in Bestform. Die Rede erzählt nichts Neues, nichts, was wir noch nicht kennen, außer einer Anekdote aus dem Vorwahlkampf, die das Publikum begeistert.
So könnten Wahlkämpfe auch in Deutschland aussehen.
Die Grabrede Barack Obamas auf Senator Edward M. Kennedy ist klassisch – in Aufbau, im Rhythmus, in ihrer Anteilnahme, der Gelegenheit zu befreiendem Lachen, und auch darin, dass Obama die Spekulationen entkräftet, er werde die Gelegenheit zu politischen Zwecken missbrauchen.
Der erste Satz trifft den Ton der Trauer, als wäre er in Stein gehauen: "Today we say goodbye to the youngest child of Rose and Joseph Kennedy." Lange werde die Welt sich an ihren Sohn erinnern, die Bürde seines Erbes, den Kämpfer für die Armen, die Seele der Demokratischen Partei, den Löwen des Senats der Vereinigten Staaten von Amerika, den Gesetzgeber, der mit eigener Hand über dreihundert Gesetze geschrieben hat.
Aus dem Benjamin der Familie wurde ihr Patriarch. Schicksalsschläge haben ihn nicht in einen Hiob verwandelt.
Schauen Sie Obamas Rede an.
Ted Kennedy has gone home now, guided by his faith and by the light of those that he has loved and lost. At last he is with them once more, leaving those of us who grieve his passing with the memories he gave, the good that he did, the dream he kept alive, and a single, enduring image — the image of a man on a boat, white mane tousled, smiling broadly as he sails into the wind, ready for whatever storms may come, carrying on toward some new and wondrous place just beyond the horizon. May God bless Ted Kennedy, and may he rest in eternal peace."
"An old man walking along a beach at dawn saw a young man pick up a starfish and throwing them out to sea. "Why are you doing that?" the old man inquired. The young man explained that the starfish had been stranded on the beach by a receding tide, and would soon die in the daytime sun. "But the beach goes on for miles," the old man said. "And there are so many. How can your effort make any difference?" The young man looked at the starfish in his hand, and without hesitating, threw it to safety in the sea. He looked up at the old man, smiled, and said: "It will make a difference to that one."
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