Archiv

Artikel Tagged ‘Horst Köhler’

Georg Schramm soll Bundespräsident werden

3. Januar 2012

Ich poste hier einen (redigierten) Kommentar von mir zu einer Debatte bei wiesaussieht.

Zynismuskritik ist ein anderer Ausdruck für enttäuschte Liebe. Das schafft die Tatsache des Zynismus nicht aus der Welt, aber kann den Blick darauf verändern. An wessen Seite man sich dabei wiederfindet, ist weniger interessant als die Frage, welche Konsequenzen man daraus zieht.

Vor der Nominierung Horst Köhlers gab es eine interessante Debatte über die politische Substanz des Amtes, manche plädierten für seine Abschaffung, andere für seine Aufwertung durch Volkswahl. Wären Köhler und Wulff je durch eine Volkswahl in ihr Amt gelangt? Was hat den einen zu seiner Beamtenkarriere, was den anderen in die Politik gebracht?

Die Unterschiede mögen so groß nicht sein. Eine Gemeinsamkeit werden sie bald teilen: dass sie über die tatsächlichen Gründe ihres Rücktritts schweigen. Sie finden sich nicht im Ende, sondern am Anfang ihrer Karrieren.

Letztens hörte ich ein langes Radiogespräch mit einer gewissen Christa Luft, die anekdotisch aufschlussreich über Begegnungen mit Köhler im Jahr 1990 berichtete. Was Lafontaine u.a. damals richtig vorhersahen, war Horst Köhler aus einer déformation professionelle völlig unzugänglich. Da überwölbte der nationale Tremor den ökonomischen Sachverstand wie eine Rundumscheuklappe. Mehr…

Flattr this!

Abwehrzauber, aggiornamento, Allgemein, Politische Rhetorik , , ,

Sinn und Unsinn des Gehörens

7. Oktober 2010

Die Debatte über die Rede des Bundespräsidenten am 3. Oktober verfehlt das Thema. Das liegt auch daran, dass der Redner in der viel kritisierten Passage über Christentum, Judentum und Islam zu einem Verb greift, das undeutlicher schillert, als es den Anschein hat.

Christian Wulff gebraucht das Verb in drei Passagen der Rede:

"Es ist die Erinnerung an unsere gemeinsame Geschichte. Zu ihr gehört, dass wir an alle denken, die diese Einheit möglich machten. (…)  Denn die Zukunft, davon bin ich felsenfest überzeugt, gehört den Nationen, die offen sind für kulturelle Vielfalt, für neue Ideen und für die Auseinandersetzung mit Fremden und Fremdem. (…) Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland."

Übergehen wir die Befangenheit des Redners, die Intonation, den Vortrag. Da zeigt Wulff sich dem Vorgänger ebenbürtig. Der Jurist aus der Stadt an der Hase fördert Missverständnisse nicht, weil er so undeutlich ausspricht, sondern weil er das Wort "gehören" erst ordnend, dann in nicht einklagbarem eigentumsrechtlichen sowie schließlich in anordnendem Sinn gebraucht.

Mehr…

Flattr this!

Allgemein, Politische Rhetorik , , , , , ,

Angela Merkels Erinnerungen an die Zukunft

23. August 2010

Auf Murmeltiere ansitzen. Nach Gemsen spähen. Abends mit Joachim Sauer Herrn Putin nachäffen. Dann zurück zur Sommerlektüre: der Stalin-Biographie. Das müssen unterhaltsame Tage im Gebirg gewesen sein. Die Seele vom Machthaben baumeln und die Fassaden Fassaden sein lassen.

Zurückgekehrt aus dem Gebirg ist kein anderer Mensch, keine andere Kanzlerin, sondern die gleiche, die sie immer schon war. Mehr…

Flattr this!

Allgemein, Angela Merkels Rhetorik , , , ,

Uns Frösche kochen?

20. Juni 2010

Diese Nachricht hat ein paar Tage geschmort. Heute lieferte Paul Krugman das Schlüsselwort und Bild dafür, die Situation einzuordnen.

In ihrem Mai-Bericht versteckt die Europäische Zentralbank in der sklerotischen Sprache avancierter Bürokratien (offenkundig aus dem Französischen übersetzt) die Nachricht, dass wir noch einmal davon gekommen sind.

Bei welcher Temperatur schmoren wir Frösche vor uns hin? Welche Ex&Hopp-Optionen bleiben? Mehr…

Flattr this!

Allgemein, Finanzkrise, Politische Rhetorik , , , , , , , ,

Rettung nicht in Sicht

30. Mai 2010

Der Verfasser ist nach wie vor als Trainer auf Bildungsreise. Gleich gehts weiter nach Sachsen. Am Freitag gute Diskussionen mit Studierenden in Bremen.

Es gibt ein paar Themen auf Wiedervorlage, die ich nur im Vorübergehen antippen kann – und die anderswo bereits bis über die Erschöpfung hinaus breitgetreten worden sind.

Das dlf-Interview des Bundespräsidenten hat eine Erregungskurve ausgelöst, die einen erstaunlichen Verlauf genommen hat. Mehr…

Flattr this!

Allgemein , ,