… und stellt fest, dass dieses (an amerikanischen Maßstäben gemessen) seriöse Blatt seine Leser am Nasenring hinter den Mond führt.
Cowen hätte auch den Bonner Generalanzeiger oder das Hamburger Abendblatt oder den Münchner Merkur oder oder oder lesen können: Die Lage der Nation und ihre Hintergründe finden in der veröffentlichten Meinung faktisch keinen Raum (von wenigen erfreulichen Ausnahmen abgesehen).
Wenige Minuten später liefert mein newsfeed eine Beobachtung von Matthew Yglesias:
"Anecdotally, when I was in Germany and would ask business leaders and policymakers if they thought Germany should alter the export-oriented nature of the economy, the answer was always and everywhere “no.” Not a single German person outlined to me a single policy measure that they endorsed to achieve that goal, nor did any of them endorse the goal."
Wenn die europäische Austeritätspolitik liefert, was Krugman & Co. vorhersagen, ist es allerhöchste Zeit, über einen wirtschaftspolitischen Paradigmenwechsel nachzudenken. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zu Beginn der neuen Legislatur "eine schonungslose Analyse der Lage" angemahnt, aber noch nicht geliefert.
Ich bin hier nicht durch besondere Sympathie für die sogenannte LINKE aufgefallen, aber stelle mir inzwischen vor, dass demnächst ein Gespräch am Schwanenteich von Gütersloh stattfinden könnte. Die Teilnehmer sind für einander exotisch: Stiftung Marktwirtschaft und ökonomische Vordenker der LINKEN. Weitere Gäste könnten Meinhard Miegel, Friedhelm Hengsbach et alii sein.
Die Leitfragen der illustren Runde liegen auf der Hand. Wie sähe eine Wirtschaftspolitik zur Stärkung der Binnennachfrage aus? Wie ließen sich neue Wertschöpfungspotenziale im Dienstleistungssektor heben? Welchen Beitrag könnte hierzu eine ordnungspolitisch korrigierte Steuerpolitik leisten? Welche Vorbilder lassen sich aus dem Weiterbildungsangebot der amerikanischen Community Colleges auf den deutschen Bildungssektor übertragen?
Monsieur Sarkozy schickte gewiss einen Beobachter nach Gütersloh, damit er für das nächste Abendessen mit chère amie Anschela was zu erzählen hat.
Dann sagt er bestümmt nicht ab.
Nachbemerkung 13.06.2010
Das mag vielleicht lustig klingen, ist aber keineswegs so gedacht. Es ist eher Ingrimm.
Warum nimmt kein glühender Verteidiger der deutschen Exportüberhänge zur Kenntnis, was passiert, wenn die für wahrscheinlich gehaltenen Wertberichtigungen bei Staatsanleihen der PIIGS-Länder zu einem Buchverlust von (milde geschätzt) 450 Mrd. € führen?
Dann schmelzen die Argumente dahin. Aus dem gleichen Grund scheuen Deutsche und Franzosen davor zurück, ihre Banken einem Stress-Test zu unterziehen. Sie glauben, sie hätten auch so bereits genug Stress.
Das könnte sich schon bald als Selbsttäuschung herausstellen.
… und stellt fest, dass dieses (an amerikanischen Maßstäben gemessen) seriöse Blatt seine Leser am Nasenring hinter den Mond führt. Cowen hätte auch den Bonner Generalanzeiger oder das Hamburger Abendblatt...
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