Archiv

Artikel Tagged ‘Matthew Yglesias’

Zerrüttungsprinzip

20. Juni 2011

Matthew Yglesias überträgt einen Grundsatz des Scheidungsrechts auf die Afghanistanpolitik.

They don´t like us and we don´t like them.

Nun  ist es so weit. Jetzt ist es egal, wer recht hat oder nicht. Die Beobachtung entkräftet die politische Rhetorik. Das ärgert  General Eikenberry.

So what!

Afghanistan, Allgemein, Politische Rhetorik ,

Rhetorik des ökonomischen Schreckens

17. Dezember 2010

Matthew Yglesias macht auf einen Gastbeitrag von Klaus Regling in der Financial Times aufmerksam:

Latvia which has a currency pegged to the euro, testifies to the success of this policy. Contrary to commentators who predicted disaster for Latvia early last year unless it gave up its hard peg – in line with advice from the commission – it did not devalue its exchange rate. A real effective devaluation was achieved through severe cuts in nominal income. Today its economy is growing again. Those outside “experts”, who always seem to know what is good for Europe, should take note.

Yglesias verweist auf die tatsächlichen Kosten: 2008 schrumpfte das lettische Inlandsprodukt um 4,2 Prozent. 2009 um 18 Prozent. Die Arbeitslosenrate liegt nahe bei 20 Prozent.

Der Chef des Euro-Rettungsfonds EFSF bezeugt politische Blindheit gegenüber den sozialen Kosten des Stabilitätsregimes. Die Logik dieses Denkens liegt auf der Hand. Rette man sich vor der Rettung.

Etwas Besseres als den Tod findest Du allemal.

 

aggiornamento, Allgemein, Finanzkrise ,

Fired up

3. Oktober 2010

Der count down für die Wahlen am 2. November läuft. Die Demokratische Partei setzt erneut auf die Obama-Generation. Dafür hat sie das Programm Gen44 aufgelegt. Zum Auftakt feuert Obama die Basis an und erzählt, was auf dem Spiel steht, wie die üblichen Verdächtigen die Dinge drehen oder verdrehen. Er spricht über die Enthusiasmus-Lücke der Demokraten und zeigt seinen eigenen Kampfwillen.

Für Andrew Sullivan ist das Rennen nach diesem Auftritt noch längst nicht entschieden. Obama beschreibt die Konsequenzen eines republikanischen Wahlsiegs. Wie schon Ende des Sommers im vergangenen Jahr, als er seine OFA-Graswurzelleute anfeuerte, erklärt Obama auch dieses Mal, dass politischer Wandel nicht frei Haus geliefert wird, dass er um jeden Meter Boden, um jede Stimme, um jedes Programm kämpft.

Die üblichen Verdächtigen schreiben, dass das Rennen gelaufen sei, dass die Republikaner das Repräsentantenhaus übernehmen, vielleicht sogar den Senat, dass den Wahlen eine politische Totalblockade folgen werde.

Das ist Unfug.

"So now is not the time to quit.  Now is not the time to lose heart.  That involvement can’t end in 2008.  That election was not just about putting me in the White House.  It was about building a movement for change that went beyond one campaign or any one candidate.  It was about remembering that here in the United States, our destiny is not written for us; it is written by us.  We have the power to shape our future.  Our future is in our hands.  (Applause.)

And that’s what’s being tested right now -– whether we’ve got the courage to keep going forward in the face of difficulty, in the face of uncertainty.  And if you are willing to work hard, and knock on doors and make phone calls, and call up your friends and neighbors and coworkers and family, I promise you, we will not stop until we have finally made the American Dream true for every American out here. "

Das war der Auftakt. Wir werden in den kommenden Wochen weitere Auftritte erleben, in denen Obama das Spiel seiner Gegenspieler durchkreuzen wird.

Hat tip to Matthew Yglesias hierfür. Donald hört Glenn Beck. Ein nicht endender Albtraum. Bereitet der Albtraum den Republikanern den Weg zurück an die Macht? Das hätten sie gern.

Allgemein, Wahlkampf , , ,

Tyler Cowen liest die Berliner Morgenpost …

12. Juni 2010

… und stellt fest, dass dieses (an amerikanischen Maßstäben gemessen) seriöse Blatt  seine Leser am Nasenring hinter den Mond führt.

Cowen hätte auch den Bonner Generalanzeiger oder das Hamburger Abendblatt oder den Münchner Merkur oder oder oder lesen können: Die Lage der Nation und ihre Hintergründe finden in der veröffentlichten Meinung faktisch keinen Raum (von wenigen erfreulichen Ausnahmen abgesehen).

Wenige Minuten später liefert mein newsfeed eine Beobachtung von Matthew Yglesias:

"Anecdotally, when I was in Germany and would ask business leaders and policymakers if they thought Germany should alter the export-oriented nature of the economy, the answer was always and everywhere “no.” Not a single German person outlined to me a single policy measure that they endorsed to achieve that goal, nor did any of them endorse the goal."

Wenn die europäische Austeritätspolitik liefert, was Krugman & Co. vorhersagen, ist es allerhöchste Zeit, über einen wirtschaftspolitischen Paradigmenwechsel nachzudenken. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zu Beginn der neuen Legislatur "eine schonungslose Analyse der Lage" angemahnt, aber noch nicht geliefert.

Ich bin hier nicht durch besondere Sympathie für die sogenannte LINKE aufgefallen, aber stelle mir inzwischen vor, dass demnächst ein Gespräch am Schwanenteich von Gütersloh stattfinden könnte. Die Teilnehmer sind für einander exotisch: Stiftung Marktwirtschaft und ökonomische Vordenker der LINKEN. Weitere Gäste könnten Meinhard Miegel, Friedhelm Hengsbach et alii sein.

Die Leitfragen der illustren Runde liegen auf der Hand. Wie sähe eine Wirtschaftspolitik zur Stärkung der Binnennachfrage aus? Wie ließen sich neue Wertschöpfungspotenziale im Dienstleistungssektor heben? Welchen Beitrag könnte hierzu eine ordnungspolitisch korrigierte Steuerpolitik leisten? Welche Vorbilder lassen sich aus dem Weiterbildungsangebot der amerikanischen Community Colleges auf den deutschen Bildungssektor übertragen?

Monsieur Sarkozy schickte gewiss einen Beobachter nach Gütersloh, damit er für das nächste Abendessen mit chère amie Anschela was zu erzählen hat.

Dann sagt er bestümmt nicht ab.

Nachbemerkung 13.06.2010

Das mag vielleicht lustig klingen, ist aber keineswegs so gedacht. Es ist eher Ingrimm.

Warum nimmt kein glühender Verteidiger der deutschen Exportüberhänge zur Kenntnis, was passiert, wenn die für wahrscheinlich gehaltenen Wertberichtigungen bei Staatsanleihen der PIIGS-Länder zu einem Buchverlust von (milde geschätzt) 450 Mrd. €  führen?

Dann schmelzen die Argumente dahin. Aus dem gleichen Grund scheuen Deutsche und Franzosen davor zurück, ihre Banken einem Stress-Test zu unterziehen. Sie glauben, sie hätten auch so bereits genug Stress.

Das könnte sich schon bald als Selbsttäuschung herausstellen.

Allgemein, Finanzkrise, Medien , , , , , , ,