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Artikel Tagged ‘Nicolas Sarkozy’

221 Jahre Revolution

14. Juli 2010

Herzlichen Glückwunsch an die Große Französische Republik!

Über ihre Revolution schrieb François Furet: "Aus den gleichen Gründen, warum das Ancien Régime sein Ende fand, ohne offenbar einen Anfang zu kennen, feiert die Revolution ihren Geburtstag, als sei kein Ende in Sicht."

creative commons Wikipedia Hier – als Ergänzung – der link zu einem Vortrag von Jürgen Habermas, der den Menschenrechten und der Würde eine spezifische politische Wendung gibt, indem er den Prozess, in dem ihre Idee und Praxis entsteht, als bewegenden Widerstand beschreibt.

Simon Schama, der englische Historiker der Großen Revolution, schrieb in seiner Geschichte der Sklaverei, Geschichte kenne kein Ende, sondern nur Pausen. Vor kurzem witterte er – in der Financial Times – den Schwefel kommender Revolten.

Unsere große Pause geht offenbar langsam zu Ende. Warum hat niemand dem Präsidenten der Europäischen Kommission einen Knebel verpasst, als er von drohenden Militärputschs schwafelte?

Wie sieht es aus mit liberté, égalité & fraternité in der Heimat der Großen Revolution? Ich habe in den letzten 19 Monaten über 10 Monate in Südfrankreich gelebt. Die Freiheit ist der Machtmissbrauch. Die Gleichheit weicht dem Hass auf die anderen. Die Brüderlichkeit kommt vor die Hunde. Unter der Oberfläche der Konventionen brodelt es im Kessel. Der Krieg und der Hass in den Vorstädten sind nur eine milde Vorahnung der Gewaltbereitschaft in diesem Kessel.

Das Interview des Staatspräsidenten setzt dem Ganzen die Krone auf. Sehen Sie sich das Interview an. Mimik und Intonation Sarkozys erzählen ihre eigene Geschichte. Warum die französischen Medien nicht sofort eine vollständige Transkription des Interviews verbreiten, ist mir ein Rätsel – oder vielleicht auch nicht.

Von Angela Merkel weiß man, dass hinter der Maske ihrer Mimik ein großes komisches Talent darauf lauert, Eindrücke, Situationen, Konfrontationen zu sammeln, um sie bei geeigneten Gelegenheiten nachzuspielen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie Sarkozy nachäfft. Bei ihm ist Schluss mit lustig. Das haben die Franzosen inzwischen auch verstanden.

Sie werden ihn mit ihrer Spottlust in den Wahnsinn treiben.

 

 

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Fundsachen

14. Juli 2010

Der Sommer versetzt den Blogger ins Brüten. Heraus kommt das eine und das andere. Auf dem Weg dahin hier einige Hinweise auf Lesefrüchte, die sich als nützlich erweisen könnten.

Bilbo analysiert in seinem Blog eine Goldman Sachs-Studie: Why is the Economy so weak? What can policy do?

But the bottom line of the paper is that the US is likely to have to endure on-going and massive employment gaps (below potential) for years because the US government is failing to exercise leadership. The paper recognises the need for an expansion of fiscal policy of at least 3 per cent of GDP but concludes that the ill-informed US public (about deficits) are allowing the deficit terrorists to bully the politicians into cutting the deficit. The costs of this folly will be enormous.

In die gleiche Richtung zielt eine kürzlich veröffentlichte Studie des American Enterprise Institutes. Mehr…

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Flieh-Kraft

21. Juni 2010

"Les Bleus", die französische Nationalmannschaft, spielen verrückt. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – alles für die Katz. Auflösung, wo man hinschaut.

Sie spielen wie die Berliner Regierung. Auch die verrückt. Auch die wie von Sinnen. Als sehnten sie sich danach, vom Platz gestellt zu werden. Einen Laufpass nach Hause zu erhalten. Fahnenflucht wird endemisch. Fliehkräfte nehmen überhand. Mehr…

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Fundsachen – Krisenprosa

14. Juni 2010

Der Rhetorik-Blogger ist auf Reisen, wechselt dafür heute kurz in einen staccato-Ton und verweist auf Funde, die ihm der news feed dieses turbulenten Tages ins Haus geweht hat:

Der Guardian zitiert aus einem offenen Brief von Martin Wolf an den britischen Schatzkanzler George Osborne: 

"The imposition of futile misery is not an act of wise policy, but rather a sign of folly." Mehr…

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Tyler Cowen liest die Berliner Morgenpost …

12. Juni 2010

… und stellt fest, dass dieses (an amerikanischen Maßstäben gemessen) seriöse Blatt  seine Leser am Nasenring hinter den Mond führt.

Cowen hätte auch den Bonner Generalanzeiger oder das Hamburger Abendblatt oder den Münchner Merkur oder oder oder lesen können: Die Lage der Nation und ihre Hintergründe finden in der veröffentlichten Meinung faktisch keinen Raum (von wenigen erfreulichen Ausnahmen abgesehen).

Wenige Minuten später liefert mein newsfeed eine Beobachtung von Matthew Yglesias:

"Anecdotally, when I was in Germany and would ask business leaders and policymakers if they thought Germany should alter the export-oriented nature of the economy, the answer was always and everywhere “no.” Not a single German person outlined to me a single policy measure that they endorsed to achieve that goal, nor did any of them endorse the goal."

Wenn die europäische Austeritätspolitik liefert, was Krugman & Co. vorhersagen, ist es allerhöchste Zeit, über einen wirtschaftspolitischen Paradigmenwechsel nachzudenken. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zu Beginn der neuen Legislatur "eine schonungslose Analyse der Lage" angemahnt, aber noch nicht geliefert.

Ich bin hier nicht durch besondere Sympathie für die sogenannte LINKE aufgefallen, aber stelle mir inzwischen vor, dass demnächst ein Gespräch am Schwanenteich von Gütersloh stattfinden könnte. Die Teilnehmer sind für einander exotisch: Stiftung Marktwirtschaft und ökonomische Vordenker der LINKEN. Weitere Gäste könnten Meinhard Miegel, Friedhelm Hengsbach et alii sein.

Die Leitfragen der illustren Runde liegen auf der Hand. Wie sähe eine Wirtschaftspolitik zur Stärkung der Binnennachfrage aus? Wie ließen sich neue Wertschöpfungspotenziale im Dienstleistungssektor heben? Welchen Beitrag könnte hierzu eine ordnungspolitisch korrigierte Steuerpolitik leisten? Welche Vorbilder lassen sich aus dem Weiterbildungsangebot der amerikanischen Community Colleges auf den deutschen Bildungssektor übertragen?

Monsieur Sarkozy schickte gewiss einen Beobachter nach Gütersloh, damit er für das nächste Abendessen mit chère amie Anschela was zu erzählen hat.

Dann sagt er bestümmt nicht ab.

Nachbemerkung 13.06.2010

Das mag vielleicht lustig klingen, ist aber keineswegs so gedacht. Es ist eher Ingrimm.

Warum nimmt kein glühender Verteidiger der deutschen Exportüberhänge zur Kenntnis, was passiert, wenn die für wahrscheinlich gehaltenen Wertberichtigungen bei Staatsanleihen der PIIGS-Länder zu einem Buchverlust von (milde geschätzt) 450 Mrd. €  führen?

Dann schmelzen die Argumente dahin. Aus dem gleichen Grund scheuen Deutsche und Franzosen davor zurück, ihre Banken einem Stress-Test zu unterziehen. Sie glauben, sie hätten auch so bereits genug Stress.

Das könnte sich schon bald als Selbsttäuschung herausstellen.

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