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Artikel Tagged ‘Oskar Lafontaine’

Der Sehsinn in der politischen Rhetorik

1. April 2011

Kurios, wie eine Bilderflut sondergleichen unter dem Druck der Ereignisse die politische Sprache verarmen und aufblühen lässt. Der Zufall will es, dass ich soeben zwei Beiträge der neuen "Blätter" durchsehe, mich bei der Lektüre an eine surreale Szene der Harald Schmidt Show von gestern Abend erinnere – und es plötzlich klick macht.

Wie kommt es, dass wie über Nacht der Sehsinn die um schiefe Bilder auch sonst nie verlegene politische Sprache okkupiert hat? Was teilt uns diese Beobachtung mit? Mehr…

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Rettung nicht in Sicht

30. Mai 2010

Der Verfasser ist nach wie vor als Trainer auf Bildungsreise. Gleich gehts weiter nach Sachsen. Am Freitag gute Diskussionen mit Studierenden in Bremen.

Es gibt ein paar Themen auf Wiedervorlage, die ich nur im Vorübergehen antippen kann – und die anderswo bereits bis über die Erschöpfung hinaus breitgetreten worden sind.

Das dlf-Interview des Bundespräsidenten hat eine Erregungskurve ausgelöst, die einen erstaunlichen Verlauf genommen hat. Mehr…

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Die Umbettung des Oskar Lafontaine

11. Oktober 2009

Vor kurzem nannte ich Oskar Lafontaine eine schadenfrohe Kassandra. Es kann noch schlimmer kommen.

Gerade erinnere ich mich an den wunderbaren Film Macumba von Elfie Mikesch. Einer der verdienstvollsten Buchhalter der Berliner Filmgeschichte spielt darin einen Privatdetektiv, der ein neues Kapitel der Verbrechensbekämpfung schreiben will. Er glaubt zu wissen, wo und wann genau das nächste Verbrechen stattfinden wird – und begibt sich an Ort und Stelle, um mit der augenblicklichen Aufklärung sein Geschäft zu befördern.

Der Neunmalkluge hat in seinem Szenario nicht vorhergesehen, dass er selber das Opfer wurde.

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Erwischt

5. September 2009

Frank Plasberg hat Oskar Lafontaine vorgeführt. Ich komme leider erst jetzt darauf zurück. Das war der einzige Lichtblick in dieser "Hart aber fair"-Sendung, in der die übrigen Teilnehmer auf Deubel komm raus sich ihre Parolen um die Ohren hauten. Überraschungsfrei, bis auf Oskar Lafontaine.

Auch der sprudelte seine Botschaften heraus, wie man sie eben kennt. Sein Verhängnis wird immer offenkundiger: Der begabte Redner funktioniert wie eine Maschine auf Sparflamme. Er kann auch den größtmöglichen Blödsinn reden (was er früher so genannt hätte), ohne jede Bremse. Dahinter lauert das zynische Lachen einer Überlegenheit, die sich im Nirwana verloren hat. Sein Charisma ist nicht geerdet, sondern in Hybris umgeschlagen. "Ich weiß es besser als ihr alle", dieses unentwegte Signal, das er jedem Interviewer, jedem Gesprächspartner zeigt, zeigt ihn als schadenfrohe Kassandra.

Wie hat ihn Plasberg erwischt? Lafontaine rockt seine Parolen zu Hartz IV, dem gebrochenen Leistungsprinzip usw. und wird dann mit einem Einspieler konfrontiert, der nachweist, dass er ein paar wesentliche Informationen fallen lässt und damit insgesamt ein falsches Bild zeichnet. Damit konfrontiert, entgegnet Lafontaine, wie ein beim Pfuschen erwischter Primus, aber das sei doch so komplex, dass man das nicht in einem Satz ausdrücken könne.

Oskar Lafontaine zieht es vor, seine Redekunst dazu zu missbrauchen, die Öffentlichkeit zu belügen.

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Boulevard der Dämmerung

25. August 2009

Nun hat auch Nikolaus Brender dekorativ in der ZDF-heute-Kulisse über den respektlosesten und langweiligsten Wahlkampf seit Bestehen der Bundesrepublik geklagt

Herr Brender ist mit daran Schuld, worüber er klagt. Die Sommerinterviews der Spitzenpolitiker (bei ARD wie im ZDF) sind ein beschämendes Zeugnis dafür, dass sich Politik und öffentlich-rechtlicher Journalismus einig darin sind, keine politischen Sachfragen zu erörtern. Sie spielen unter gleißender Mittagssonne den Berliner Boulevard der Dämmerung.

Warum fragt denn keiner Frau Merkel oder Herrn Steinmeier oder Herrn Westerwelle danach, wie sie die Schulden bremsen (geschweige denn tilgen) wollen? Wenn die Protagonisten von schwarzgelb über Steuersenkungen delirieren, wäre es dann nicht naheliegend, sie danach zu fragen, wie sie das finanzieren wollen – und wenn dann die gestanzten Antworten folgen, worauf sich denn ihr Wachstumsoptimismus stützt? Ist es ein ehrgeiziges Ziel, wenn man die Zahl der Schulabbrecher halbieren will? Ist es ein ehrgeiziges Ziel, dass 50 Prozent eines Geburtsjahrgangs im Jahr 2020 das Abitur machen soll? Wie funktioniert das zur Schau getragene Gedächtnis der Bundeskanzlerin, die gerade erst ihre sogenannte Mittelstandsreise hinter sich gebracht hat und gewiss das eine oder andere Mal mit der Frage konfrontiert wurde, was die Politik denn gegen den Fachkräftemangel tut?

Liest Herr Deppendorf den Finanzplan des Bundes? Kennt Herr Hahne die OECD-Bildungsstudie?

Aber das Gedächtnis (oder das abrufbare aktuelle politische Wissen) bei den politischen Journalisten bleibt begrenzt auf die Karteikarten ihres Ablaufplans. Nachfragen nicht vorgesehen.

Warum lässt man Oskar Lafontaine über seine Mindestlohnforderungen und das gute Beispiel Frankreich schwadronieren, ohne mal nachzufragen, wie das denn mit der Schwarzarbeit in Frankreich aussieht?

Warum auch. Man fragt Herrn Steinmacher lieber nach seinem Lachen und die Bundeskanzlerin, wann sie denn endlich Kante zeige, und Herrn Westerwelle, ob er ein Sensibelchen sei.

Das Ausmaß des nötigen Bruchs mit solchen politisch-medialen Kohabitationen ist atemberaubend.

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