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Archiv für die Kategorie ‘Ikonographie’

Es geht um die Zeugen, stupid!

4. Mai 2011

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Photo by Pete Souza, White House

Das Photo ist ein erstaunliches Dokument. Es geht in die Geschichte ein nicht als Inszenierung eines historischen Augenblicks in der Präsidentschaft Barack Obamas, sondern als ein Dokument einer politischen Ikonographie, die den Oberbefehlshaber an den Rand rückt, während seine einstige Konkurrentin im Vordergrund ein Bild des Erschreckens abgibt. Die Bildachse zwischen Obama und Clinton ist es aber auch nicht, was mich an dem Bild so fasziniert. Es ist ein Hintergrundbild.

Wie so oft liegt die Wahrheit nackt und klar zu Tage, bleibt aber unsichtbar. Die Wahrheit des Bildes ist die Zeugenschaft der Abgebildeten. Es gibt natürlich weitere Zeugen. Am Tatort selbst. Zeugen, die sich nicht belasten werden, die aber keine gute Miene zu einem Spiel machen wollen, das sie gebraucht hat.

In der politischen PR gibt es eine Basislektion: Stick to your story. Es gab Zeit genug sich darüber zu einigen, wie bzw. ob Bin Laden sich gewehrt hat oder nicht. Irgend jemand spielt nicht mit. Wer und warum, das ist allerdings auch nicht die Frage.

Das Bild dokumentiert einen historischen Augenblick der Ambivalenz. Wer sich starcksprecherisch auf die eine oder andere Seite schlagen möchte, zeigt sich der Ambivalenz des Politischen nicht gewachsen, sondern möchte nur windfall profits aufs eigene Konto lenken. Wie zum Beispiel die deutsche Bundeskanzlerin mit ihrer Aussage: "Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten."

Es ist unerheblich, ob Angela Merkel die Freude tatsächlich empfunden hat. Dass sie sich der Figur bedient, zeigt, wie hoch die Trauben hängen, nach denen sie sich streckt. Ihre Aussage, acht Stunden nach Bekanntwerden der Information, ist durchkalkuliert.

Coda

PS: Das Codewort  "Geronimo" führt in ein weiteres abgründiges Kapitel der amerikanischen Geschichte. Geronimo, ein gefürchteter Kriegshäuptling der Apachen, soll es sogar geschafft haben, den Sonnenaufgang aufzuhalten. Sein Spitzname war "der Gähnende", was dem Bild einen weiteren hübschen Kontrapunkt entgegensetzt. Das Bild wirkt auf mich inzwischen wie der Bauplan eines Thomas Pynchon-Romans! Dazu gehört natürlich auch, dass die Zeugen, nach jüngsten Aussagen, einen Zeitraum von zwanzig Minuten nicht bezeugen können.

PPS: Hier der Wortlaut der Frage, die BK Merkels Bemerkung vorausging, sowie ihre gesamte Antwort - am Ende der Pressekonferenz.

Frage: Frau Bundeskanzlerin, dieser Erfolg, den Sie beschreiben, war offenkundig eine gezielte Tötung; vieles spricht dafür. Sollten auch deutsche Sicherheitskräfte in der Lage sein, auf diese Weise gegen Terrorhäupter vorzugehen?
 
BK´in Merkel: Ich bin heute erst einmal hier, um zu sagen: Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten. Ich glaube, dass es vor allen Dingen für die Menschen in Amerika, aber auch für uns in Deutschland eine Nachricht ist, dass einer der Köpfe des internationalen Terrorismus, der so viele Menschen schon das Leben gekostet hat, gefasst bzw. getötet wurde und damit auch nicht mehr weiter tätig sein kann. Das ist das, was jetzt für mich zählt. Deshalb habe ich meinen Respekt für dieses Gelingen auch dem amerikanischen Präsidenten mitgeteilt, und das war mir auch ein Bedürfnis.

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