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Archiv für die Kategorie ‘ars oblivionis’

Magische Operation

21. Januar 2013

Jürgen Kaubes Frühkritik zum niedersächsischen Wahlabend im Fernsehen gibt einen Eindruck vom blinden Fleck der politischen Talkshows und der Wahlstudios. Sie erklären etwas für spannend, ohne dass irgend etwas passiert. Mathematisch wirkt das erstaunlich, psychologisch weniger. Das Zählen und das Auswerten passieren hinter der Kulisse, wie das Blutbad in der griechischen Tragödie. Der Schnickschnack der Animationsgraphiken tritt an die Stelle des Chors. Der teilt fast nichts mehr mit, das aber in ausführlichster Liturgie.

Beide TV-Formate, Talkshows und Wahlsendungen, verfügen über keine Methode, mit der Ungewissheitsgewissheit umzugehen, obschon genau die doch irgendwann einmal eine Rolle dabei gespielt haben mag, dass es zu ihrer Erfindung kam, damit andere am folgenden Tag nachbeten konnten, was ihnen am Vorabend an "Erkenntnissen" zuteil geworden sein mag. Das zeigt sich auch daran, dass die Auswahl der Diskutanten auf Basis einer ihnen zugeschriebenen These erfolgt. Damit die Moderation sie wie am Schnürchen durch die Sendung  ziehen kann, sollen sie bei ihrer These bleiben. Dass so Denken in Gang käme oder gar eine Meinung sich wandeln könnte, scheint ausschließbar. Mehr…

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Ars Oblivionis

11. Januar 2012

Michael Angele denkt im Freitag darüber nach, ob die Causa Wulff nicht inzwischen einen Punkt erreicht hat, an dem es sich lohnte, darüber nachzudenken, sie bzw ihren Protagonisten  zu vergessen.

Nach Kants Tod fand man die handschriftliche Notiz: „Der Name Lampe muss nun völlig vergessen werden.“ Die Ungereimtheit fiel schnell ins Auge: Das Aufschreiben dient doch gerade dazu, etwas besonders gut im Gedächnis zu bewahren! Dass Kant das Gedächtnis bemühte, um etwas zu vergessen, schien eine üble contradictio in adiecto zu sein, ein Widerspruch in sich selbst, der einem Professor der Logik im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte nicht zuzutrauen ist. Zumal Kant ein hervorragendes Gedächnis hatte.

Was wäre das für eine Situation für den Amtsinhaber, einer gesellschaftlichen ars oblivionis zum Opfer zu fallen?  Wenn die Zivilgesellschaft aus Gründen der Selbstachtung dazu über ginge, auf Einladungen an das Bundespräsidialamt zu verzichten. Vielleicht sogar bereits ausgesprochene Einladungen zurückzöge? Und Einladungen zu Veranstaltungen ins Bellevue als einer Ruine der Selbstvergessenheit nicht Folge zu leisten?

Es gehört zu den Unsinnigkeiten einer juristischen Sklerose, durch starren Blick auf die im Grundgesetz vorgesehenen Routinen die Unentfernbarkeit Wulffs zu konstatieren.

Die zivileren Mittel scheinen mir effektiver. Die einseitige Kriegserklärung  bzw. das Räsonnement, wie der amtierende Bundespräsident gedenkt, seinen Privatkrieg gegen einzelne Medienhäuser zu führen, könnte ebenso dazu führen, dass alle anderen Medien Einladungen zu Hintergrundgesprächen, Pressekonferenzen und anderen öffentlichen Terminen nicht mehr folgen.

Lassen wir Wulff allein im Bellevue!

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