Archiv

Archiv für die Kategorie ‘Afghanistan’

Die Fugger des 21. Jahrhunderts und ihre Nachrichtenmacher

17. Oktober 2013

 

Gestern war die Buchpremiere in München. Jeremy Scahill, langjähriger Autor bei Democracy Now! und The Nation, stellte die deutsche Übersetzung seines Buchs über “Schmutzige Kriege” vor. Nach seinem Buch über die Firma Blackwater eines der interessantesten Bücher über den “Krieg gegen den Terror”, seine Akteure, ihr politisches Denken und ihre Praxis.

Was ihn außerdem interessant macht, ist die Kooperation mit Glenn Greenwald und Laura Poitras, die von dem Ebay-Gründer Pierre Omidyar finanziert wird. In dem Interviewausschnitt, der Rest des 90minütigen Interviews steht bis zum Wochenende im Netz, gibt Scahill erstmals (noch etwas vage) Auskünfte darüber, was wir uns unter seinem “investigativen Journalismus” vorstellen können.

Was daran bemerkenswert ist, das ist der Sachverhalt, dass nun die Gegenkräfte zum Überwachungsstaat und zum ewigen Krieg auf den Plan treten. Günter Hack hat es heute morgen so auf den Punkt gebracht: “Fuggerei und korrespondierender Journalismus. Willkommen in der frühen Neuzeit.”

Der Epochenbruch kann ökonomisch-kulturell im Rückwärtsgang der alten industriellen Interessen betrachtet werden. Oder aus dem Verständnis eines neuen politischen Journalismus Partei ergreifen.

Eine Gänsehaut auf dem Rücken des Engels der Geschichte.

Flattr this!

Abwehrzauber, Afghanistan, aggiornamento, Allgemein, Medien , , , ,

R.I.P. Gore Vidal

2. August 2012

Kriegsgewinne der Sicherheitskräfte

5. Juli 2012

 

Der Krieg in Afghanistan ist ein Lehrstück des Wahnsinns. Ich gehe mit keiner Silbe auf all die rhetorischen Verrenkungen ein, die zu seiner Legitimation erfunden wurden (manche haben sich als erstaunlich haltbar erwiesen).

Was mich ins Grübeln stürzt, ist das Gerede von den “Sicherheitskräften”. Als die gelten natürlich die Enduring Freedom Truppen und ihre Helfershelfer, die afghanische Polizei (trotz der zahllosen frisch ausgebildeten Jungpolizisten, nach deren Übertritt zu den Taliban man die Uhren stellen kann) und das afghanische Militär, noch so eine Phantasmagorie in einem national, sprachlich und religiös zerrissenen Land. Mehr…

Flattr this!

Afghanistan, Allgemein , , ,

Klippschulökonomie

3. Februar 2012

 

Das Beispiel wirkt irgendwie weit hergeholt. Ok, es kommt aus Washington D.C. . Es betrifft Republikanische Abgeordnete des Repräsentantenhauses, die im Wahljahr eine brillante Idee hatten.

Sie haben im vergangenen Haushaltsjahr nicht alle ihnen zustehenden Bundesmittel für ihre Kongress- und Wahlkreisbüros ausgegeben und brüsteten sich mit ihrer Sparsamkeit. Das hätte für PR-Zwecke gereicht.

Nicht bei diesen Meisterschülern. Sie wollten einen draufsetzen und verlangten, dass das von ihnen gesparte Geld von Tim Geithner zur Tilgung der amerikanischen Schulden verwendet werden sollte.

Sodann setzten sie sich in Pose und warteten auf nationalen Beifall.

Dumm gelaufen. Sie werden seither mit Spott überschüttet. Sie haben das kleine Einmaleins der Haushaltsregeln nicht verstanden. Gedeckt sind die tatsächlichen Ausgaben. Weniger Kosten geltend zu machen, heißt weniger auszugeben. Punkt.

Sie tun so, als hätten sie sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen. Buchhaltungssimpel.

Jetzt ist ihr Reputationskonto tief im Minus. Eine andere Buchhaltungsidentität. Kaum mehr löschbar.

Flattr this!

Afghanistan

Lousy

7. Oktober 2011

 

Das Pew Research Center hat  vorgestern eine Studie vorgelegt über die Unterschiede in der Wahrnehmung des Afghanistankriegs durch die Soldaten und durch die zivile Führung. Das Kindle-Bild zeigt die häufigsten gebrauchten Worte der Soldaten.

Welches Wort gebrauchten die Soldaten am häufigsten für ihre Beschreibung des Afghanistankriegs

Widerlich, ein Albtraum – bzw. lohnend und interessant scheinen die häufigsten Urteile zu sein. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, die positiven Begriffe wegzuerklären: Das sagen sie, weil sie glauben, dass ihre Interviewer das hören wollen. Eine Maskerade.

Sehr viel anders werden auch die deutschen Soldaten darüber nicht sprechen. Bald haben wir ein paar tausend Kriegsveteranen in Deutschland. Viele von ihnen werden keine Worte für das finden, was ihnen in den Knochen steckt. Mitsamt ihren Familien und Freunden kommen wir da schnell auf eine Zahl von 100.000 Menschen, die davon betroffen sind.

Mein Vater hat zeit seines Lebens nicht über seine Kriegserfahrung gesprochen. Sein Trauma war versiegelt, brach nur auf Umwegen, sehr selten, an die Oberfläche. Aber es war da.

Peter Struck sagte, Deutschland werde am Hindukusch verteidigt. Bald wird sich das Land gegen die Erfahrungen vom Hindukusch wappnen müssen.

Flattr this!

Abwehrzauber, Afghanistan, aggiornamento, Allgemein ,