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Artikel Tagged ‘Guido Westerwelle’

Bodenschatz zwischen den Ohren

10. Oktober 2012

"Es gilt das gesprochene Wort." Die salvatorische Klausel hat das Auswärtige Amt davor bewahrt, sich unsterblich lächerlich zu machen. Das vorbereitete Redemanuskript für den Bundesminister des Äußersten trägt keine Spur des Zitats, das die Welt belustigt. (Ich hätte gern einen Mitschnitt aus den Kabinen der Simultandolmetscher!) Mehr…

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Vernichtungsprosa

6. Februar 2012

Der Bundesminister des Äußersten wird seinem früh verliehenen Spitznamen wieder gerecht.

Bei der Münchner Sicherheitskonferenz hat er diesen Satz in seine Rede hineingeschmuggelt:

Die mentalen Restbestände des 20. Jahrhunderts müssen wir überwinden.

Wenigstens hat er nicht "ausmerzen" gesagt. Oder entsorgen. Das ist ein Fortschritt. Trotzdem hat der Satz gute Aussichten darauf, im rhetorischen Schatzkästlein undurchdachter politischer Paradoxie zu landen.

In Westerwelles Satz lauert ein verstecktes Paradox. Man könnte, um es zu illustrieren, zu Hannah Arendts Beschreibung totaler Herrschaft zurückkehren:

Das Wesentliche der totalitären Herrschaft liegt also nicht darin, dass sie bestimmte Freiheiten beschneidet oder beseitigt, noch darin, dass sie die Liebe zur Freiheit aus den menschlichen Herzen ausrottet; sondern einzig darin, dass sie die Menschen, so wie sie sind, mit solcher Gewalt in das eiserne Band des Terrors schließt, dass der Raum des Handelns, und dies allein ist die Wirklichkeit der Freiheit, verschwindet. Mehr…

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Eine junge Frau, die es weit bringen wird

8. Juni 2011

Die Bilder sagen fast alles. In der zweiten Reihe wacht der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg darüber, dass die im Stadtstaat geborene Bundeskanzlerin dem ehrenden Anlass und der Überlieferung hanseatischer Traditionen gerecht wird. Frau Merkel tritt bei der Verleihung der Freiheitsmedaille ganz ohne Lametta auf.

Beim Lunch im State Department sitzt Guido Westerwelle wie eine Figur von Robert Gernhardt im Vordergrund des Bildes. Sein Anblick erinnert mich an jenes Bild einer pulloverbeschenkten Fest-Eule. Guido aber, so könnte es heißen, trug zur Feier des Anlasses eine so überaus stolzgeschwellte Brust, dass er gar nicht wusste, wohin damit.

Allen ersichtlichen Unterschieden zum Trotz gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen dem amerikanischen Präsidenten und der deutschen Bundeskanzlerin – ihren sarkastisch extratrockenen Humor, keine schlechte Voraussetzung dafür, den Geboten des Protokolls standzuhalten.

Am Berliner Kupfergraben gibt es bei Professor Sauer bald wieder einen kleinen Power-Karaoke-Abend.

 

 

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Gib Laut

7. Januar 2011

Ich habe in diesem Blog genug über Guido Westerwelle geschrieben. Schon früh habe ich den Zeitpunkt seines größten Erfolgs als den Beginn seines Scheiterns bezeichnet.

Dieser Auftritt ist gespenstisch. Detlef Gürtler hat treffsicher ein Stichwort glänzend analysiert: Friedensversicherung.

Voodoo-Rhetorik. Irgendwo saß jemand und nadelte die Puppe. Sichtbare Pein. Im Stuttgarter Staatstheater erlebte man einen Schlussakt, den Thomas Bernhard ferndiktiert haben könnte. Mit einer einzigen Regieanweisung:

Gib Laut.

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Niemand – alleingelassen

20. Dezember 2010

Retten kommt in Misskredit. Eine Einsicht, in der Ökonomen, Politiker und Rhetoriker auf frappierende Weise übereinstimmen. Warum? Offenbar hat das Wort, das ursprünglich "aus der Gefahr reißen" bedeutet, inzwischen unter dem Druck der Ökonomie eine Umwertung erfahren, die in Griechenland und in Irland als "in die Gefahr gestoßen werden" verstanden wird.

Den Auftakt gab Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer Regierungserklärung im Deutschen Bundestag. Ich fasse ihre Argumentation zusammen: 

Europa sei eine Verantwortungsgemeinschaft. Deutschland profitiere davon besonders. Einzelne Euro-Staaten stehen vor schwierigen Herausforderungen. Der Euro selbst aber habe sich als krisenfest erwiesen. Der EU-Gipfel werde einen Krisenmechanismus etablieren, der auch den Privatsektor und den Internationalen Währungsfonds an der Lösung künftiger Krisen beteilige. Die dazu nötige Vertragsänderung werde das Beistandsverbot nicht antasten. Damit werden keine Hoheitsrechte an die EU übertragen. Der Mechanismus werde ausgelöst durch eine Gefährdung der Finanzstabilität der gesamten Euro-Zone. Die Feststellung erfolge durch einstimmige Beschlüsse. Die Änderung des Vertrags erfolge im vereinfachten Verfahren (ohne Referenden) und solle bis Ende 2012 abgeschlossen sein.

Ihr persönliches Bekenntnis zu Europa beschließt Frau Merkel mit der Formel:

Niemand in Europa wird alleingelassen, niemand in Europa wird fallen gelassen, Europa gelingt gemeinsam. Ich füge hinzu, Europa gelingt nur gemeinsam.

Am nächsten Tag greift Zeit-Herausgeber Helmut Schmidt ein, kritisiert vehement die deutsche Europapolitik dieses Jahres.

Wer in dieser Lage lediglich taktiert und finassiert, wer gar jedwedes Auseinanderfallen des Euro-Verbundes öffentlich diskutiert, dem fehlt jede Weitsicht. (…) Wir Europäer können die früheren Fehler nicht ungeschehen machen, wohl aber müssen wir alsbald ziemlich  unkonventionelle Reparaturen ins Werk setzen. (…) Selbstverständlich werden die notwendigen Reparaturen abermals (…) insbesondere uns Deutsche abermals viel Geld kosten. (…) Es ist nicht visionärer Idealismus, sondern unser eigenes strategisches Interesse an der Aufrechterhaltung der Europäischen Union und damit der europäischen Zivilisation, das uns  bewegen muss, auf kleine nationalegoistische Vorteile zu verzichten. Auf lange Sicht trägt Deutschland einen hohen Anteil an der Verantwortung dafür, dass die europäischen Staaten zu einem ökonomisch handlungsfähigen Verband zusammenwachsen. Dazu ist allerdings weder ein deutscher Oberkommandierender noch ein deutscher Schulmeister nötig, denn er würde die anderen Kapitäne nur befremden und abschrecken. Wohl aber müssen die deutschen Politiker den Bürgern erklären, dass wir und warum wir Deutschen Opfer zu bringen haben. Mehr…

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