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Artikel Tagged ‘Guido Westerwelle’

Gift wie aus Versailles

31. Mai 2013

Frederik Weitz macht darauf aufmerksam, was unser so unendlich umsichtiger Bundesaußenminister in Ottawa gesagt hat:

"Die deutsch-französische Freundschaft ist das kostbarste Juwel im europäischen Schatz", sagte Westerwelle.

Wie immer, wenn ich eine westerwellesche Punchline vor die Nase gesetzt bekomme,  könnte die darob fast so schief werden wie seine schiefen Bildertürme. Westerwelles Punchlines entstehen von langer Hand und sind für den sofortigen Verzehr bestimmt, weil sie so schnell verderben. Das hat ihm den Ruf eingetragen, ein scharfzüngiger Redner zu sein. Mehr…

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Bodenschatz zwischen den Ohren

10. Oktober 2012

"Es gilt das gesprochene Wort." Die salvatorische Klausel hat das Auswärtige Amt davor bewahrt, sich unsterblich lächerlich zu machen. Das vorbereitete Redemanuskript für den Bundesminister des Äußersten trägt keine Spur des Zitats, das die Welt belustigt. (Ich hätte gern einen Mitschnitt aus den Kabinen der Simultandolmetscher!) Mehr…

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Vernichtungsprosa

6. Februar 2012

Der Bundesminister des Äußersten wird seinem früh verliehenen Spitznamen wieder gerecht.

Bei der Münchner Sicherheitskonferenz hat er diesen Satz in seine Rede hineingeschmuggelt:

Die mentalen Restbestände des 20. Jahrhunderts müssen wir überwinden.

Wenigstens hat er nicht "ausmerzen" gesagt. Oder entsorgen. Das ist ein Fortschritt. Trotzdem hat der Satz gute Aussichten darauf, im rhetorischen Schatzkästlein undurchdachter politischer Paradoxie zu landen.

In Westerwelles Satz lauert ein verstecktes Paradox. Man könnte, um es zu illustrieren, zu Hannah Arendts Beschreibung totaler Herrschaft zurückkehren:

Das Wesentliche der totalitären Herrschaft liegt also nicht darin, dass sie bestimmte Freiheiten beschneidet oder beseitigt, noch darin, dass sie die Liebe zur Freiheit aus den menschlichen Herzen ausrottet; sondern einzig darin, dass sie die Menschen, so wie sie sind, mit solcher Gewalt in das eiserne Band des Terrors schließt, dass der Raum des Handelns, und dies allein ist die Wirklichkeit der Freiheit, verschwindet. Mehr…

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Eine junge Frau, die es weit bringen wird

8. Juni 2011

Die Bilder sagen fast alles. In der zweiten Reihe wacht der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg darüber, dass die im Stadtstaat geborene Bundeskanzlerin dem ehrenden Anlass und der Überlieferung hanseatischer Traditionen gerecht wird. Frau Merkel tritt bei der Verleihung der Freiheitsmedaille ganz ohne Lametta auf.

Beim Lunch im State Department sitzt Guido Westerwelle wie eine Figur von Robert Gernhardt im Vordergrund des Bildes. Sein Anblick erinnert mich an jenes Bild einer pulloverbeschenkten Fest-Eule. Guido aber, so könnte es heißen, trug zur Feier des Anlasses eine so überaus stolzgeschwellte Brust, dass er gar nicht wusste, wohin damit.

Allen ersichtlichen Unterschieden zum Trotz gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen dem amerikanischen Präsidenten und der deutschen Bundeskanzlerin – ihren sarkastisch extratrockenen Humor, keine schlechte Voraussetzung dafür, den Geboten des Protokolls standzuhalten.

Am Berliner Kupfergraben gibt es bei Professor Sauer bald wieder einen kleinen Power-Karaoke-Abend.

 

 

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Gib Laut

7. Januar 2011

Ich habe in diesem Blog genug über Guido Westerwelle geschrieben. Schon früh habe ich den Zeitpunkt seines größten Erfolgs als den Beginn seines Scheiterns bezeichnet.

Dieser Auftritt ist gespenstisch. Detlef Gürtler hat treffsicher ein Stichwort glänzend analysiert: Friedensversicherung.

Voodoo-Rhetorik. Irgendwo saß jemand und nadelte die Puppe. Sichtbare Pein. Im Stuttgarter Staatstheater erlebte man einen Schlussakt, den Thomas Bernhard ferndiktiert haben könnte. Mit einer einzigen Regieanweisung:

Gib Laut.

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