
Die Lektion ist gelernt. Noch einmal lassen sie Tim Geithner nicht alleine los. Zuviel steht auf dem Spiel. Obama kommt seinem introvertierten Finanzminister zu Hilfe. Geithner wirkt, als hätte Woody Allen ihn erfunden, ihm als Golem zweifelndes Leben eingehaucht.
11:57 AM Cabinet Room White House. Anwesend sind der Präsident, der Finanzminister, der Pressesprecher, das Pressekorps. Der Präsident sagt, der Stuhl der wirtschaftlichen Erholung bekomme nun ein weiteres Bein. Schon läuft der los, Obama redet von steps, wir haben es mit einem Stuhl zu tun, der laufen kann. Die Steps sind ARRA, das Konjunkturpaket, das Paket zur Rettung der überschuldeten Häuslebauer, die Schwemme frisch gedruckter Dollars für private Investitionen, und nun Geithners Plan, wie die toxischen Papiere aus den Bilanzen der Banken getilgt werden. Obama sagt "to take some of their bad assets off their books". Es bleibt Gift übrig.
Der Plan klingt großartig. Public private partnerships sollen sich das Risiko teilen. Der Ankauf des Gifts wird mit zinsgünstigen Krediten gefördert. Warten wir ab, wer die privaten Investoren sind. Wir haben schon darüber geschrieben. Es sind nützliche Vögel, die Aas vertilgen. Vielleicht sind das auch wissende Vögel, die Insider-Ahnung davon haben, was besonders lecker ist.
Obama verabschiedet sich (das Grüne Forum wartet auf sein Grußwort, der Zeittakt im Weißen Haus ist straff): "So the good news is that we have one more critical element in our recovery. But we’ve still got a long way to go, and we’ve got a lot of work to do. But I’m very confident that, with the team that we’ve got assembled, we’re going to be able to make it happen." Fragen eines skeptischen Steuerzahlers? Könnt ihr am Dienstagabend stellen. Abgang.
Sie überlassen dieses Mal nichts dem Zufall. Heute erscheint in der Welt Obamas Grußwort zum G 20-Gipfel in London. Der Text wimmelt von schiefen Übersetzungen. Ein Satz darin aber wird die amerikanischen Konservativen schäumen lassen (sie hetzen auf eine Weise, die in Deutschland strafbewehrt wäre: StGB § 130): "Ich weiß, dass Amerika seinen Anteil hat an dem Chaos, mit dem wir uns konfrontiert sehen." Peer Steinbrück kann den Kontrast ermessen zu 2007. Das ist wahrhaftig eine Neue Welt, die aus diesen Worten spricht.
Zurück in den Cabinet Room. Geithner gibt eine Pressekonferenz. Wie findet man angemessene Preise für die toxischen Papiere? Wer eigenes Geld einsetze, sagt Geithner, verfüge über bessere Urteilskraft als die Regierung (die hilft, die privaten Risiken zu mindern. Die Steuerzahler verlieren mit).
Und was ist, wenn die Banken mit den gebotenen Preisen nicht einverstanden sind? Hier kommt eine Antwort, die ich im Original stehen lasse (es läge allerdings nahe, Coppolas Consigliere des großen Paten zu ziteren): SECRETARY GEITHNER: Well, again, you can’t know for sure how much participation you’re going to get, and people get a chance to sort of assess what the balance is for them. And the incentives banks face are very — you know, right now, again, you don’t really have a viable market in which to unload and sell these assets. But because you’re holding on to them, it is harder for banks to generate greater confidence among their creditors and their investors; it’s harder for them to raise capital privately.
So they face a balance. This will make it easier for them to raise capital privately because they’ll have a cleaner balance sheet; there will be more confidence in the — externally, people’s capacity to evaluate their risk in that context. And that will help induce participation, as well.
Krugman hat dagegen gewütet, der Markt mit einem Kursfeuerwerk reagiert. Liegt Krugman daneben? Das wissen wir nicht. Aber eins wird immer klarer. Es gibt nicht nur die schäumenden Reaktionäre auf Republikaner-Seite, die von den Obamas im Weißen Haus als "Gesocks" reden und ihre Gefolgschaft gegen Obamas Pläne bewaffnen wollen. Die scharfe Kritik aus dem Lager der Demokratischen Partei verstört. Irgendwie erinnert das an die deutschen Sozialdemokraten. Die regierten am liebsten als Opposition.
Die Lektion ist gelernt. Noch einmal lassen sie Tim Geithner nicht alleine los. Zuviel steht auf dem Spiel. Obama kommt seinem introvertierten Finanzminister zu Hilfe. Geithner wirkt, als hätte Woody Allen...
admin Allgemein, Finanzkrise, Politikmanagement Barack Obama, Paul Krugman, Peer Steinbrück, Republikaner, SPD, Timothy Geithner, Woody Allen
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