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Artikel Tagged ‘Thomas de Maizière’

Schadsoftware in der politischen Sprache

4. Januar 2013

 

Reklame

Um 12:45 Uhr können Sie am 29.12.2012  unter dieser Adresse meinen Vortrag über den Stabilitätsanker und die Wachstumslokomotive beim 29c3 Kongress des Chaos Computer Clubs in Hamburg sehen.

Update

In der Samstagsausgabe der FAZ vom 5.1.2013 steht der für den Druck gekürzte Text des Vortrags.  Ich trage hier den Schluss des Vortrags nach:

Die Wachstumslokomotive ist ein klassisches Nebelwort. Im Nebel ihrer selbst wächst sie ins Riesenhafte. Eine Wachstumslokomotive ist ein spurgebundenes Triebfahrzeug, das hochtourig im Leerlauf vor dem Prellbock röhrt. Ihre rhetorische Karriere in der deutschen Politik erinnert mich an einen Witz aus den letzten Jahren der DDR. Was unterscheidet Lenin von Stalin und Honecker? Was machen sie, wenn ein Reisezug nicht weiterkommt, weil es kein Gleis mehr gibt? Lenin lässt die Reisenden neue Schienen verlegen und nach getaner Arbeit weiterfahren, Stalin jeden zehnten erschießen. Honecker holt ein paar raus, die am Zug rütteln, damit die Reisenden im Zug glauben, die Fahrt ginge weiter. Mehr…

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Blick hinter die Kulisse des Stabilitätsankers

21. August 2012

Das erste Mal habe ich den Begriff hier vor über einem Jahr – eher beiläufig – angesprochen, verwundert, neugierig auch und dann – entgegen der üblichen Onlinehektik – wechselte ich in den Jagdmodus. Ich etablierte einen Google Alert und lag dann im Ansitz. Die Diskussion ist eröffnet. Hier bezeichnet man mich als "lebende Abrißbirne", ein schönes Kompliment.

Nun zähle ich auf, wer nach Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière und Bundesbankpräsident zum Stabilitätsanker griff, um eine unhaltbare Situation irgendwie doch stabiler aussehen zu lassen, als sie tatsächlich war. Mehr…

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Ein Äquivalenz-Problem

8. Juli 2011

Gerade lese ich in der Online-Ausgabe der FAZ:

Verteidigungsminister de Maizière (CDU) sagte im WDR, Saudi-Arabien sei „für uns ein Stabilitätsanker in der Region“, der trotz eines politischen Systems, das er ablehne, „für uns ein wichtiger Partner ist“.

Das Thema "Stabilitätsanker" ist diesem Blogger doch schon mal untergekommen. Wo war das noch? Richtig! Hier wars: Am 20. Juni 2011 hielt der frischgebackene Präsident der Bundesbank in Frankfurt eine Rede, an deren Schluss er wörtlich sagte:

Ich bin überzeugt, dass mit dieser Grundlage die Zentralbanken für künftige Herausforderungen hervorragend gerüstet sind und ihrer Rolle als Stabilitätsanker auch in den kommenden Jahren weiter gerecht werden.

Saudi-Arabien und die europäischen Zentralbanken sind nach Auffassung des Bundesverteidigungsministers und des Bundesbankpräsidenten "Stabilitätsanker". Jetzt überhöhen sie metaphorisch sogar die arabische Halbinsel zu einem S.-Anker.

Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen. Zumal wenn wir die europäischen Zentralbanken und Saudi-Arabien als Stabilitätsanker auf Augenhöhe betrachten.

Die zusammengesetzten Substantive wirken wie Spaltpilze an politischen Konstrukten. Sie treiben auseinander, was die Sprecher metaphorisch zusammenfügen.

Frohes Gelingen!

 

PS: In einer früheren Fassung dieses Beitrags wurde BM de Maizière irrtümlich als Bundesinnenminister bezeichnet. Das war er mal.

 

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Rette sich, wer kann!

15. November 2010

Frau Merkel beherrscht das Patentrezept, Sinn zu verschlucken. Das gilt für ihre Euro-Politik wie für ihren Auftritt auf dem G 20-Gipfel.

Der Eindruck der Stärke, den sie erneut erzielen wollte, ist nicht lange haltbar. Ihr Innenminister erklärte Anfang letzten Jahres einem darüber nicht sonderlich erstaunten Publikum, dass Politik führen und sammeln müsse. Die Merkelsche Dialektik des Führens und Sammelns kann man am Beispiel der nächsten Etappe der Euro-Krise in Zeitlupe sezieren. Irland steht in Flammen und Frau Merkel und M. Sarkozy wiegeln ab. Dass inzwischen die Europäische Zentralbank  irische Staatsanleihen zum Vorteil für deutsche und französische Banken im Wert von über 50 Mrd. €  gekauft hat, das könnten wir zum Thema unsichtbaren Führens rechnen. Dass die Rechnung für die Kosten anderen aufgesattelt wird, könnte zynisch unter Sammeln rubriziert werden. Während die Bundeskanzlerin am Rednerpult den Zusammenhalt beschwört, leistet sie tatsächlich Beihilfe dazu, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland wie in Europa unterminiert wird. Mehr…

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Mutismus als Machterhalt ?

19. Juni 2010

Es ist nicht so, dass der Mutismus Frau Merkels neu wäre. Dieses Blog hat schon immer Merkels Schweigen als ihre besondere Art des Redens und des Machterhalts gewürdigt. Ich darf mich selbst zitieren: "Im Falle der Bundeskanzlerin gilt für das Protokoll des Deutschen Bundestags auch das ungesprochene Wort." Mehr…

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