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Archiv für die Kategorie ‘Angela Merkels Rhetorik’

Zur politischen Kultur des Neobiedermeiers

14. Februar 2014

 

Der Begriff der politischen Kultur erlebt in diesen Tagen auf erstaunlichen Umwegen Wiederauferstehung. Almonds und Verbas Studie aus den 50er Jahren traf – um es für die Zwecke dieses Beitrags zusammenzufassen – die Unterscheidung zwischen parochialer Kultur, Untertanenkultur und partizipierender Kultur. Maßgebliche Variabeln für die Unterschiede sind Aufbau und Struktur des Systems, Inputmöglichkeiten, Outputfähigkeiten und Selbstwahrnehmung. Mehr…

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Das Wir hat nichts zu melden. Vielleicht aber doch.

1. Juli 2013

 

Pro captu lectoris habent sua fata libelli

 

Die Chronik eines angekündigten Skandals

Im Februar las sich Frank Schirrmachers Buch EGO DAS SPIEL DES LEBENS wie ein Kriminalroman, mit Anmerkungen und ausführlicher Bibliographie, überaus suggestiv erzählt. Was für ein Buch wäre daraus geworden, wenn der Autor tatsächlich einen Roman geschrieben hätte? Fünf Monate später ist klar, warum es gut war, das Sachbuch wie einen Reißer zu schreiben.

Die Kalkulation ist aufgegangen. Die Rezensenten, die am Buch und am Autor ihr Mütchen kühlten, könnten sich dazu veranlasst sehen, das Buch noch einmal mit anderen Augen zu lesen. Sie haben daneben gelegen, beckmesserisch, höhnisch und irgendwie auch etwas angefressen. Denn die Idee, die Geschichte der letzten 60 Jahre, sodann die jüngste Zeitgeschichte seit Ausbruch der Finanzkrise neu zu erzählen, hat sich als fruchtbar erwiesen. Mehr…

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Störung geboten

26. Mai 2013

 

Wolfgang Streeck diskutierte heute im STREITRAUM der Berliner Schaubühne mit Carolin Emcke über sein neues Buch "Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus". Ich fasse hier meine Notizen seines Vortrags und des anschließenden Gesprächs zusammen. Auf das Buch komme ich in einem weiteren Beitrag zurück. Das Gespräch war unter dem Titel angekündigt: "Postdemokratie: Die vertagte Krise – oder Demokratie und Kapitalismus als Hase und Igel". Streeck leitete seinen Vortrag mit einigen Fragen ein: Was sind die Gründe dafür, dass die Euro-Politik den Eindruck erweckt, einem ökonomischen Diktat hinterherzuhecheln? Warum gibt es aus dem Kreis der verantwortlichen Politiker keine Ursachenanalyse? (Ich erinnere daran, dass die Bundeskanzlerin mit dem Versprechen einer "schonungslosen Analyse" in den letzten Bundestagswahkampf gezogen ist. Kaum war die Wahl vorbei, verschwand das Analyseversprechen auf Nimmerwiedersehen.) Sind die Spannungen neu, die wir zwischen den europäischen Regierungen im Zuge ihrer Euro-Beschlüsse wahrnehmen? Wie wird die Krise tatsächlich bearbeitet? Haben wir es infolge der bisherigen Beschlüsse nur mit einer bis auf weiteres vertagten Krise zu tun, ist nur Zeit gekauft worden? Mehr…

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Merkel und Steinbrück

21. April 2013

Gestern beim taz.lab. Moderiert von Ulrich Schulte. Angekündigt war zum Stichwort politischer Rhetorik die Frage, warum die Bürger in den politischen Reden nicht mehr vorkommen. Das verweigerte Gespräch. Ich verzichtete auf einen einleitenden kurzen Vortrag und Ulrich Schulte provozierte mich gekonnt. Das Publikum fühlte sich gut unterhalten. Ich trage hier nach, was ich an Notizen vorbereitet hatte. Mehr…

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Wieviel Aufklärung hätten Sie gern? Geschnitten oder am Stück?

4. April 2013

Susan Neiman, Direktorin des Einstein-Forums in Potsdam, und Sigmar Gabriel, Vorsitzender der SPD, schreiben in der Printausgabe der FAZ vom 3. April einen Essay unter dem Titel: Europa: Wie wäre es mit Aufklärung? Der Vorspann des Essays verwirrt:

Die Realpolitik der Eurokrise löst vielleicht Probleme, sorgt aber nicht für Vertrauen. Nötig ist das Bekenntnis zu einer europäischen Wertegemeinschaft.

Welche Realpolitik? Welche Probleme? Wie klingt im Halbdunkel der öffentlichen Meinung heute ein "Bekenntnis" zu einer europäischen "Wertegemeinschaft"? Wie Pfeifen auf dunkler Treppe in den Kohlenkeller. So viele Konzessionen, so viele Voraussetzungen.

Nach den jüngsten Kapriolen der Eurokrise verschwindet die Bereitschaft, auf "Werte" zu vertrauen, unter die labortechnische Nachweisbarkeitsgrenze. Nicht einmal mehr homöopathische Verdünnungspotenzen bleiben übrig, von denen "Europa" zehren könnte. Gemeinsamkeiten scheinen im Verhandlungsregime der Brüsseler Gipfelverhandlungen verglüht zu sein.

Was müssen wir davon halten, wenn ein beteiligter Finanzminister nur wenige Tage nach diesem denkwürdigen Desaster in der führenden Zeitung seines Landes seine Eindrücke zu Protokoll gibt? To put it bluntly: Desillusionierung ist heute alternativlos.

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