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Artikel Tagged ‘Christian Wulff’

Die Vierte Gewalt im Tumult

2. Januar 2014

Der folgende Text ist ein Beitrag von Tilo Jung und mir zur neuerlichen Debatte über den Journalismus.

Edward Snowden hat nicht nur den Datenhunger der Geheimdienste enthüllt. Seine Enthüllungen haben auch eine Debatte über den Journalismus in Gang gebracht. Sind Journalisten als Vierte Gewalt nicht immer auch Aktivisten? Oder ist Aktivismus mit Journalismus nicht mit einander vereinbar? Was hat das Handwerk des Journalisten mit einer politischen Haltung zu tun? Mehr…

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Rites de passage

9. März 2012

So ist es vollbracht. Doch was genau? Ein AbschiedVorfreude

Patrick Bahners hat gestern Abend das Ritual als Haltungsbeweis gewürdigt. Die abgezirkelte Choreographie des Großen Zapfenstreichs rückt auch den abtretenden Bundespräsidenten zurück ins Glied.

Es passt wirklich: denn im Zudecken solcher Widersprüche, im Unsichtbarmachen der Privatperson besteht der Sinn des Zeremoniells, das zu Ehren von Amtsträgern veranstaltet wird.

Das Ritual bildet den Rahmen, durch den die Zeugen in die Geschichte eintreten. Nehmen wir in George Lakoffs Nachfolge das Framing so ernst, wie es sich gehört. Versuchen wir, sichtbar zu machen, was im Ritual abseits der neu geborenen Privatperson Wulff in den Blick gelangt. Überhören wir das seinsvergessene Geschwafel der Moderatoren (ich sah das bei phoenix, wo der Moderator einen Tagesspiegelredakteur als höhnisch schwadronierenden Sidekick brauchte). Mehr…

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Politische Botanik

17. Februar 2012

Die Rücktrittsrede Christian Wulffs illustriert ein letztes Mal seine schräge Rhetorik.

Die ersten Worte bezeugen einen historischen Filmriss im Tempus der vollendeten Gegenwart:

gerne habe ich die Wahl zum Bundespräsidenten angenommen und mich mit ganzer Kraft dem Amt gewidmet.

Wie so oft schreit der nackte nüchterne Indikativ danach, durch Verneinungsprobe geprüft zu werden. “Ungern habe ich die Wahl…. angenommen und mich mit halber Kraft usw.” Tatsächlich ist das ein Satz aus dem Advokatesischen. Er begründet Wulffs Rechtsanspruch auf den Ehrensold.

Hinter der Fassade lauert die Tücke des Details. Der Satz kommt aus dem rhetorischen Bausatz für Nachrufe. Nachrufe zu Lebzeiten, die einer auf sich selbst hält, sind Zombierhetorik. Aus Wulffs Binnensicht der eigenen Affäre die einzige Möglichkeit, Rache an den Medien für die Kampagne gegen ihn zu nehmen. Ihr habt mich zu dem gemacht, der ich heute bin: ein Untoter. Mehr…

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Get Lost

15. Februar 2012

 

Auch Namen haben ihre Geschichte. Ich erinnere an Odyssey Dawn.

Nun taucht in den letzten Wochen immer mal wieder eine Firma auf, die für eine ihrer Töchter eine niedersächsische Landesbürgschaft erhielt.

Die Mama hieß Get Lost Films, die Tochter Waterfall Productions. Dieses Tarnmädchen hat geschäftlich nix auf die Beine gestellt, hören wir.  Dazu mag auch beigetragen haben, dass die bis dahin üblichen Abschreibungsmodelle nicht mehr funktionierten, weil der Gesetzgeber die Verlustvorträge abschafffen wollte. Wer sich dagegen besonders engagierte, sei damals Ministerpräsident in Hannover gewesen. Mehr…

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Ranzige Rhetorik

30. Januar 2012

Heute veröffentlicht Dr. Vazrik Bazil, der Präsident des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache, auf der Webseite des VRdS eine Kolumne, die Kolumne des Präsidenten.

In letzter Zeit debattiert die Öffentlichkeit ausgiebig über die Macht und Ohnmacht der Rede. Der Anlass, den der Bundespräsident dazu gegeben hat, greift aber über seinen Fall, wie man ihn auch beurteilen mag, hinaus und wirft grundsätzliche Fragen zur Kraft des Wortes auf.

Der Kolumnist hält es nicht für erforderlich, seine These zu belegen. Er hält Referenzen für entbehrlich. Der Auftakt verstellt den Blick auf den Sachverhalt, über den er vorgeblich schreibt.

Wer diskutiert wo und warum "über die Macht und Ohnmacht der Rede"? Was gibt dazu den Anlass? Eine Rede, durch die der Bundespräsident sich hervorgetan hätte? Oder eine Rede, mit der er hinter seinen Möglichkeiten geblieben wäre? Weder das eine noch das andere. Auch äußert sich Bazil nicht über den Anlass oder den Fall. Er verzichtet darauf, um sogleich von "der Kraft des Wortes" zu schreiben, eine abgegriffene Beschwörungsformel zum Dienstleistungsangebot der Redenschreiber, die durch häufigen Gebrauch nicht überzeugender wird. Mehr…

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