Michael Angele denkt im Freitag darüber nach, ob die Causa Wulff nicht inzwischen einen Punkt erreicht hat, an dem es sich lohnte, darüber nachzudenken, sie bzw ihren Protagonisten zu vergessen.
Nach Kants Tod fand man die handschriftliche Notiz: „Der Name Lampe muss nun völlig vergessen werden.“ Die Ungereimtheit fiel schnell ins Auge: Das Aufschreiben dient doch gerade dazu, etwas besonders gut im Gedächnis zu bewahren! Dass Kant das Gedächtnis bemühte, um etwas zu vergessen, schien eine üble contradictio in adiecto zu sein, ein Widerspruch in sich selbst, der einem Professor der Logik im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte nicht zuzutrauen ist. Zumal Kant ein hervorragendes Gedächnis hatte.
Was wäre das für eine Situation für den Amtsinhaber, einer gesellschaftlichen ars oblivionis zum Opfer zu fallen? Wenn die Zivilgesellschaft aus Gründen der Selbstachtung dazu über ginge, auf Einladungen an das Bundespräsidialamt zu verzichten. Vielleicht sogar bereits ausgesprochene Einladungen zurückzöge? Und Einladungen zu Veranstaltungen ins Bellevue als einer Ruine der Selbstvergessenheit nicht Folge zu leisten?
Es gehört zu den Unsinnigkeiten einer juristischen Sklerose, durch starren Blick auf die im Grundgesetz vorgesehenen Routinen die Unentfernbarkeit Wulffs zu konstatieren.
Die zivileren Mittel scheinen mir effektiver. Die einseitige Kriegserklärung bzw. das Räsonnement, wie der amtierende Bundespräsident gedenkt, seinen Privatkrieg gegen einzelne Medienhäuser zu führen, könnte ebenso dazu führen, dass alle anderen Medien Einladungen zu Hintergrundgesprächen, Pressekonferenzen und anderen öffentlichen Terminen nicht mehr folgen.
Lassen wir Wulff allein im Bellevue!
Michael Angele denkt im Freitag darüber nach, ob die Causa Wulff nicht inzwischen einen Punkt erreicht hat, an dem es sich lohnte, darüber nachzudenken, sie bzw ihren Protagonisten zu vergessen....
admin Abwehrzauber, aggiornamento, Allgemein, ars oblivionis Christian Wulff, Immanuel Kant, Michael Angele
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