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Artikel Tagged ‘Hans Hütt’

Schadsoftware in der politischen Sprache

4. Januar 2013

 

Reklame

Um 12:45 Uhr können Sie am 29.12.2012  unter dieser Adresse meinen Vortrag über den Stabilitätsanker und die Wachstumslokomotive beim 29c3 Kongress des Chaos Computer Clubs in Hamburg sehen.

Update

In der Samstagsausgabe der FAZ vom 5.1.2013 steht der für den Druck gekürzte Text des Vortrags.  Ich trage hier den Schluss des Vortrags nach:

Die Wachstumslokomotive ist ein klassisches Nebelwort. Im Nebel ihrer selbst wächst sie ins Riesenhafte. Eine Wachstumslokomotive ist ein spurgebundenes Triebfahrzeug, das hochtourig im Leerlauf vor dem Prellbock röhrt. Ihre rhetorische Karriere in der deutschen Politik erinnert mich an einen Witz aus den letzten Jahren der DDR. Was unterscheidet Lenin von Stalin und Honecker? Was machen sie, wenn ein Reisezug nicht weiterkommt, weil es kein Gleis mehr gibt? Lenin lässt die Reisenden neue Schienen verlegen und nach getaner Arbeit weiterfahren, Stalin jeden zehnten erschießen. Honecker holt ein paar raus, die am Zug rütteln, damit die Reisenden im Zug glauben, die Fahrt ginge weiter. Mehr…

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Auf der Wippe an der Klippe

18. September 2012

Die Geburt des europäischen Souveräns

4. August 2012

Die Idee war überfällig.

Sigmar Gabriel, der Vorsitzende der SPD, hatte Jürgen Habermas besucht und ihn um einen Beitrag für das Regierungsprogramm seiner Partei gebeten. Später gesellten sich der Philosoph Julian Nida-Rümelin und der Ökonom Peter Bofinger hinzu.

Heute erscheint in der FAZ dieser Beitrag von Jürgen Habermas, Julian Nida-Rümelin und Peter Bofinger. Wie so oft, wenn mehrere Autoren etwas zusammen schreiben, bleibt manches vage. Am undeutlichsten erscheint mir nach erster Lektüre, worin denn der Input dieses Essays für das sozialdemokratische Wahlprogramm des Jahres 2013 besteht. Vielleicht kommen wir dem noch auf die Spur.

Der Vorspann verspricht viel:

Ohne einen Strategiewechsel wird die Währungsunion nicht mehr lange überleben. Es bedarf eines neuen Kurses. Er muss die Rolle Europas im Rahmen der Weltpolitik definieren.

Ich werde den Eindruck nicht los, dass in dem angemahnten "Strategiewechsel" der bisherigen deutschen Europapolitik zuviel Ehre erwiesen wird. Wenn es bisher Ansatzpunkte einer Strategie gab, schien sie vor allem innenpolitischer Natur mit dem Ziel, durch irreführende Rhetorik ("scheitert der Euro, scheitert Europa") und unklare bzw. für alternativlos erklärte Gesetzespakete auf Zeit zu spielen.  Nicht das angeblich wieder herzustellende "Vertrauen der Märkte", sondern das Misstrauen der deutschen Wähler bestimmt die Strategie der Kanzlerin. Jean-Claude Junckers Kritik galt nur vorgeblich den Vorsitzenden der CSU und der FDP. Er zielte auf die Kanzlerin, weil ihre Verhandlungspraxis de facto den Glauben an den Sinn einer europäischen Union unterminiert und damit zugleich den Glauben an den Sinn der gemeinsamen Währung sturmreif schießt. Mehr…

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Hinweise

19. März 2011

Bei Weissgarnix erschien gestern ein Beitrag von mir zum dritten amerikanisch-libyschen Krieg. Die Diskussion ist, wie kaum zu vermeiden, mitunter lunatisch, das Thema komplex genug für spannende Diskussionen. Die Analysen zur  dauerhaften Isolierung Guido von Westerwelles sowie zur Atom-Regierungserklärung der Bundeskanzlerin folgen bald.

Am Mittwoch erschien, ebenfalls bei weissgarnix, mein Beitrag "Staatsstreich im Schlafrock".

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Lachend weinen

10. November 2010

Der 9. November ist ein Datum, das die deutsche Geschichte des letzten Jahrhunderts wie eine Fermate festzuhalten und zu fermentieren versucht, eine Achterbahnfahrt vom Jahr 1918 (Ausrufung der Republik) über das Jahr 1923 mit dem Hitlerputsch in München, die Novemberpogrome 1938 bis zum Fall der Mauer 1989.

Es gibt in der Symmetrie von Schreckens- und Freudedaten keine ausgleichende Gerechtigkeit. Dass Geschichte kein Ende, sondern allenfalls Pausen kenne, diese Einsicht Simon Schamas illustriert besser als die ungenügende politische Protokollprosa das ganze Bild. Der Schrecken mischt sich in die Freude.

Am 10. November 1989 flog ich von Frankfurt nach Berlin, wo ich an diesem Wochenende zusammen mit Josef Foschepoth ein Seminar über die Gründungsgeschichte der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit leitete. Der Taxifahrer jubelte von Tegel bis zum Ernst-Reuter-Platz über den Fall der Mauer. Dann aber wechselte die Tonlage und er klagte bis zum Nollendorfplatz über seine Ost-Mischpoche, die sich am Abend vorher bei ihm einquartiert hatte. Wann sie wohl wieder gingen?

1988 gab ich im Auftrag der Stadt Frankfurt zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome ein kleines Lesebuch heraus. Den Titel des Buchs – Dieser verspätete Schrei – verdanke ich einer Notiz von Günther Anders:

"Im Zug erzählte mir einer, er habe von einer Hütte aus einen an hoher Bergwand Kletternden durch sein Glas beobachtet: Plötzlich habe der Kletternde verzweifelt zu winken begonnen, ausgesehen habe er wie ein Flatternder, der fliegen wollte, und sei dann in der Tiefe verschwunden. Erst Sekunden nach dem Sturz sei winzig, aber deutlich, der Hilfeschrei in der Hütte angekommen. – Ob nicht das Beste, was aus der Höhe der Philosophie zu uns heruntertönt, diesem verspäteten Schrei gleicht?"

Der Philosophie des verspäteten Schreis wird die Apartheit von Trauer und Freude nicht gerecht. Es fehlen die Redner, die lachend weinen können.

Der Autor mit Hammer und Meißel beim Abtragen deutscher Geschichte

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